Nach Tod des Tatverdächtigen

Missbrauchs-Skandal um Jugendbetreuer in Lüdenscheid: Es gibt weitere Opfer

Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche
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Der Kirchenkreis bestätigte am Freitag, dass sich weitere Missbrauchsopfer gemeldet haben (Symbolbild). 

Nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen durch einen inzwischen verstorbenen Jugendbetreuer haben sich weitere Missbrauchs-Opfer gemeldet. Der Kirchenkreis will für sie da sein. 

Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg hatte bereits Ende Juli nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Brügge/Lösenbach und vormals des CVJM Lüdenscheid-West e.V. einen Krisenstab eingerichtet. 

Am vergangenen Donnerstag wurde der Anfangsverdacht auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen öffentlich. Laut Polizei gab es zu dem Zeitpunkt fünf Geschädigte. Der Tatverdächtige nahm sich am selben Tag das Leben

In der Zwischenzeit haben sich weitere Missbrauchsopfer gemeldet

Wie der Kirchenkreis am Freitag (4. September) mitteilte, haben sich in der Zwischenzeit weitere Personen aus Lüdenscheid an die Missbrauchsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche gewandt, die nach eigenen Angaben von dem Jugendbetreuer sexuell missbraucht wurden. 

"Aus den Aussagen der Betroffenen ist ersichtlich, dass sich die Anschuldigungen gegen den ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht nur auf einen Zeitraum vor fast drei Jahrzehnten beziehen", heißt es in einer Mitteilung des Kirchenkreises. Mit anderen Worten: Es gab auch Übergriffe jüngeren Datums durch den Betreuer. 

Zum Schutz aller beteiligten Personen gibt der Kirchenkreis keine Einzelheiten bekannt

Nach Informationen unserer Zeitung sind auch Fälle nach dem Jahr 2000 bekannt. Aufgrund der hohen Fürsorgepflicht gegenüber den Anvertrauten sowie zum Schutz aller beteiligten Personen, könne der Krisenstab zum jetzigen Zeitpunkt aber keine weiteren Angaben zu den Taten oder dem Tatzeitraum machen, hieß es beim Kirchenkreis. 

Alfred Hammer, Leiter des Krisenstabes, wies darauf hin, dass der Krisenstab nicht über die Möglichkeiten einer staatlichen Behörde verfügt und damit eine weitere Ermittlung des Falls – im juristischen Sinne - nicht möglich sei.

Krisenstab will zur transparenten Aufklärung des Falls beitragen

Der Krisenstab werde aber weiterhin mit vollem Einsatz zur transparenten Aufklärung des Falls beitragen. Für Betroffene steht nach wie vor die Beauftragten der Landeskirche für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung zur Verfügung: Daniela Fricke Kirchenrätin Beauftragte der EKvW für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung Landeskirchenamt - Altstädter Kirchplatz 5 - 33602 Bielefeld Telefon: 0521 594-308 E-Mail: daniela.fricke@ekvw.de 

Angebot an Jugendliche und Eltern gemacht

Derweil hat der Krisenstab, der unter der Woche am Dienstag und am Donnerstag tagte, sein Unterstützungsangebot für die Menschen vor Ort ausgeweitet. In den vergangenen Tagen wurden Jugendliche aus der Gemeinde zu einem weiteren Austauschabend eingeladen. Hier standen den Jugendlichen auch Experten aus den Bereichen Unterstützung, Beratung und Seelsorge zur Seite. Unter den gleichen Rahmenbedingungen wurde auch ein Elternabend durchgeführt. 

Der Kirchenkreis machte aber auch deutlich, dass die Aufgabe der transparenten Aufklärung noch eine lange Zeit dauern wird. Weiter heißt es: "Dem Krisenstab ist seine Verantwortung hier bewusst. Zudem legt er den Fokus seiner Arbeit auf das umfangreiche Hilfsangebot für Betroffene. Auch diese Arbeit bleibt unverändert wichtig." 

Hilfe für die Betroffenen hat höchste Priorität für den Krisenstab

Bereits seit Wochen ist das Märkische Kinderschutz-Zentrum in Lüdenscheid in den Fall involviert und konnte als unabhängiger Partner gewonnen werden. Gemeinsam mit den Möglichkeiten der Beratungsstelle des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, stehen so umfassende Angebote für Unterstützung, Beratung oder Seelsorge zur Verfügung. 

Jeder, der dies in diesem Fall wünscht, kann die Angebote kostenlos und bei Bedarf auch anonym wahrnehmen. Hier bittet der Krisenstab sich an die beiden Partnerstellen zu wenden: Märkisches Kinderschutz-Zentrum Telefon: +49 (0) 2351 / 463915 Mail: info@maerkisches-kinderschutz-zentrum.de Psychologische Beratungsstelle Lüdenscheid des Diakonischen Werkes Telefon +49 (0) 23 51 / 39 08 13 Mail beratungsstelle@diakonie-luedenscheid-plettenberg.de

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