Der Mindestlohn trifft die Taxi-Gilde

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Eugen Czerny, Vorsitzender der Taxi-Funk-Zentrale Lüdenscheids, befürchtet durch die Einführung des Mindestlohns zum Jahreswechsel langfristig Einschnitte beim Service für die Fahrgäste.

Lüdenscheid - Teurere Fahrten, weniger Droschken, längere Wartezeiten: Der seit dem Jahreswechsel geltende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird sich negativ auf den Taxi-Verkehr in Lüdenscheid auswirken. Das befürchtet Eugen Czerny, Vorsitzender der Taxi-Funk-Zentrale. „Es kann passieren, dass unser Service sich verschlechtert.“

Mit Blick auf die angekündigte Mindestlohn-Regel beschloss der Kreisausschuss bereits im Oktober die Anhebung der Taxitarife für den Märkischen Kreis. Aber nicht in dem Ausmaß, wie der Verband des Privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs (VSPV) NRW es beantragt hatte.

Die Kreispolitiker blieben dabei knapp unter dem gewünschten Tarif für den Kilometerpreis, der von 1,60 auf 1,90 Euro steigen sollte. Als Begründung zogen sie einen Vergleich zur Tarifstruktur in angrenzenden Landkreisen.

Seit Donnerstag gilt für die Kreisstadt: Die Grundgebühr – also die Anfahrt – kostet 3,20 statt 2,70 Euro. Jeder gefahrene Kilometer wird mit 1,80 statt 1,60 Euro berechnet. Das entspricht jeweils einer Preissteigerung von etwa zwölf Prozent. Die Kosten für die Wartezeit pro Stunde klettern von 28,50 auf 33 Euro, ein Plus von 15,8 Prozent.

Die für Fahrgäste spürbare Verteuerung der Beförderungspreise fängt die Mehrkosten, die in der Branche durch den Mindestlohn anfallen, laut Eugen Czerny „bei Weitem nicht auf“. Der Sprecher der Lüdenscheider Taxifahrer sagt: „Der Verschleiß an Fahrzeugen, dazu Steuern und Versicherungen, Spritkosten oder die Entrichtung der Arbeitgeberanteile, all das läuft ja weiter.“ Nach einem Weihnachtsgeschäft, das für die Branche „so schlecht wie lange nicht mehr lief“, müssten sich die Unternehmer nun überlegen, wie sie auf den Zwang zum Mindestlohn reagieren. Im Schnitt verdienten Taxifahrer bislang rund sechs Euro pro Stunde.

Fahrerstunden werden reduziert

Einige der 27 Lüdenscheider Droschken-Unternehmer, die derzeit 40 Autos auf der Straße haben und fast ausschließlich geringfügig Beschäftigte im Niedriglohnsektor fahren lassen, reduzieren bereits die Stunden, damit der Fahrerlohn zum Monatsende auf dem alten Niveau bleibt. Nach LN-Informationen muss ein Teil der Taxifahrer deshalb jetzt schon mit deutlich verringerter Arbeitszeit auskommen.

Dass in vielen Kneipen werktags zwischen 22 und 23 Uhr nicht mehr viel los sei und Fahrgastzahlen sänken, ist für Eugen Czerny ein weiterer Grund dafür, das Angebot zu überdenken. „Autos und Fahrer haben sowieso schon Standzeiten zwischen 30 und 40 Prozent pro Schicht.“ Ein Fahrer werde jetzt also in sechs Stunden 51 Euro bekommen, aber nur 30 Euro einfahren.

Von Olaf Moos

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