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„Millefiori da Villa Humboldt“ geschlossen: Traum droht zu platzen

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Von: Susanne Kornau

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Es sieht einladend aus, aber der Restaurantbetrieb im Millefiori an der Humboldtstraße ruht.
Es sieht einladend aus, aber der Restaurantbetrieb im Millefiori an der Humboldtstraße ruht. © Cedric Nougrigat

„Lange nicht mehr so gut gegessen“, steht als erste Rezension auf der Internetseite des „Millefiori da Villa Humboldt“. Doch oben auf der Seite steht: Vorübergehend geschlossen.

Lüdenscheid - Die Situation in der vielversprechend gestarteten neuen Gastronomie an der Humboldtstraße bringt Investor Ben Kamili auf den Punkt: „Alles hängt von den Mitarbeitern ab. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“

Nach etwas holperigem Start war das Restaurant mit dem kulinarischen Schwerpunkt auf gehobener italienischer Küche erst im Dezember in Betrieb gegangen. Ben Kamili, im Hauptberuf erfolgreicher Künstler mit Atelier in der Bergstadt und einem weiteren Lebensmittelpunkt in Berlin, wollte sich damit einen Traum erfüllen. Als Künstler wollte er zudem den Räumen seine eigene Handschrift geben. Nun ist das Material endlich da, doch er hat Stoffe und Ideen erst einmal beiseitegelegt. Notgedrungen.

Pläne gab es viele, die alte Villa künftig zu einem kulturellen Treffpunkt zu machen – mit Künstlern, Musikern, Literaten. Und mit Gastköchen. Die richtige Mannschaft, das ehrgeizige Konzept für Küche und Gastraum auch zu bewältigen, schien bereitzustehen: Mit seinem 25-jährigen Restaurantleiter, Spross einer befreundeten Gastronomen-Familie, war eine Schlüsselstelle mit einem jungen Profi besetzt, der erstmals eigenverantwortlich ein Restaurant leiten sollte. Der bei der Vorstellung des Konzepts von Selbstverwirklichung und hohem Anspruch sprach. Er hatte sich erste Sporen mit einem familiären Restaurantprojekt in Eberswalde verdient; auch da ist Kamili engagiert. Dann kam noch Lüdenscheid dazu. Die Belastung, hier wie dort alles unter einen Hut zu bringen, stieg. Es gab erste Zeichen von Überforderung.

Bandansage läuft

Im Moment ist der junge Mann wieder zurück in Berlin; im Restaurant läuft eine Bandansage für Anrufer und an der Tür hängt ein „Liebe Gäste“-Zettel mit der Bitte um Verständnis und dem Hinweis, man müsse wegen Arbeiten an der Gaststätte im März leider schließen. Ben Kamili hofft, dass bis zum Monatsende eine Lösung gefunden wird. Nicht zuletzt, weil mit dem Lokal eine beträchtliche Investition und ein langfristiger Vertrag verbunden seien. „Es ist wirklich sehr schade. Ich habe viel Herzblut da ‘reingesteckt.“

Bezüglich der Zukunft des Millefiori zeigt sich der Investor gerade etwas ratlos. Er habe in den vergangenen Tagen viel versucht, um gutes Personal anzuwerben. Es sei eine ernüchternde Erfahrung gewesen: „Personal ist ein Riesenproblem“ sagt er und fügt fast trotzig hinzu: „Aber ich will optimistisch bleiben.“ Den Traum vom besonderen Restaurant einfach aufzugeben, dazu ist er noch nicht bereit. Seine guten Verbindungen in Berlin würden ihm zwar bei der Besetzung der Küche helfen. Doch das allein reicht nicht: „Mit zwei Personen geht es nicht.“

Somit wird der März vergehen, mit intensiven Bemühungen, dem Millefiori eine Zukunft zu geben. Dass die Lüdenscheider das Angebot durchaus zu schätzen wussten, habe die Nachfrage gezeigt. Aber Kamili ist Realist genug, um anzukündigen: „Wer Gutscheine hat, wird das Geld natürlich zurückbekommen.“ Das Prozedere werde zu gegebener Zeit auf der Internetseite kommuniziert. Falls aus der vorübergehenden doch eine endgültige Schließung werden sollte.

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