Im Wintermantel auf der Couch: Heizung defekt - Mieter frieren

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Warme Jacken und Nierenwärmer: Die Vonovia-Mieter (von links) Oliver Heiling, Okubay Gebrhiwet, Milka Ivanova und Reinhard Wolf haben drei Wochen gefroren.

Lüdenscheid - Drei Wochen mussten Mieter in ihren Wohnungen an der Düppelstraße frieren. Erst dann schaffte es der Vermieter, den Schaden wenigstens provisorisch zu beheben.

Die Tapeten sind feucht. Das Wasser läuft an den Fensterscheiben herunter. Kalte Nässe hat sich in den Wohnungen an der Düppelstraße eingenistet und frisst sich in die Knochen der Mieter. Die Temperaturen in den Zimmern sinken nachts gen Nullpunkt. 

Am 21. Oktober fiel die Heizung in den Häusern Nummer 2 und 4 komplett aus. Drei Wochen hat die Wohnungsgesellschaft Vonovia gebraucht, um die Ursache zu finden und provisorisch Abhilfe zu schaffen. Die Mieter fühlen sich im Stich gelassen. 

Milka Ivanova sagt, sie könne vor Kälte und Ärger schon nicht mehr schlafen. In Daunenjacke und mit Nierenwärmer kauert sie in ihrem Bett. In einer Mail an die Vonovia schrieb sie am Dienstag unter anderem: „Wir sind hier schon alle krank.“ 

Ihr Nachbar Oliver Heiling erinnert sich an „gefühlt mindestens 15 Anrufe“ bei der Wohnungsbaugesellschaft. „Die wurden richtig patzig.“ Am 21. Oktober hing plötzlich ein Zettel im Hausflur, auf dem von einem Heizungsdefekt die Rede war. Tags darauf brachten Haustechniker kleine Heizlüfter vorbei, zwei für jede Wohnung, 2000 Watt Leistung pro Stück – „absolute Stromfresser, die aber gar nichts bringen“, wie Mieter Heiling sagt. 

Ein Vonovia-Techniker lüftete Anfang der Woche die Heizkörper, sie wurden warm – und nach einer Viertelstunde wieder kalt. Oliver Heiling: „Am Wochenende hatte ich in meinem Schlafzimmer morgens minus 1 Grad.“ 

Nachbar Okubay Gebrhiwet zuckt hilflos lächelnd mit den Schultern, Nachbar Reinhard Wolf schimpft sich in Rage – auch über „unverständliche Nebenkostenrechnungen“ und seine undichten Fenster, durch die es „zieht wie Hechtsuppe“, wie er sagt. „Da kam einer, der hat Fotos von den Fenstern gemacht und ist wieder gegangen – und das war’s.“ 

Auf Anfrage unserer Redaktion teilt Bettina Benner, Pressesprecherin der Bochumer Wohnungsgesellschaft, die nach eigenen Angaben „400 000 Wohnungen an rund 400 Standorten“ im Bestand hat, unter anderem mit: „Ich verstehe, dass die Mieter sich ein weiteres Update zeitnah gewünscht hätten. Wir bedauern, dass wir das nicht so schnell umgesetzt haben.“ 

Die Ursache sei ein Rohrbruch. Demnach liegt die Zentrale der Heizung im Haus Nummer 10, die benachbarten Gebäude sind über Erdleitungen mit der Anlage verbunden. Zwei Wochen nach dem Ausfall der Heizungen hat ein Monteur die Anlage „nun mit einer automatischen Befüllung ausgestattet, sodass der Heizkreislauf nicht mehr leerlaufen kann“, heißt es aus Bochum. 

Und: „Wir geben unseren Mietern 200 Euro Mietminderung inclusive Stromkostenerstattung.“ Obwohl die Heizung wieder läuft: Die Betroffenen sind stinksauer auf ihren Vermieter – vor allem über die „miserablen Umgangsformen“, wie Reinhard Wolf sagt. 

Vonovia-Sprecherin Bettina Benner an die Redaktion: „Wir wollen hier gerne besser werden!“

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