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Mieter in Sorge: Abriss von Altbauten für neue Klinik im MK

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Von: Sebastian Schmidt

Sollen im Zuge der Umgestaltung im Bereich Wiesenstraße weichen: die beiden auffälligen Altbauten an der Gersbeuler Straße 20 und 22 in Lüdenscheid.
Sollen im Zuge der Umgestaltung im Bereich Wiesenstraße weichen: die beiden auffälligen Altbauten an der Gersbeuler Straße 20 und 22. © Sebastian Schmidt

In den Bäumen singen die Vögel, im Vorgarten ranken wilde Rosen – die beiden etwas versteckt gelegenen Altbauten an der Gersbeuler Straße 20 und 22 dürften auf viele Betrachter wie ein Idyll aus vergangenen Tagen wirken.

Lüdenscheid – Damit könnte es aber bald vorbei sein. Grund: Im Zuge der angepeilten Umwälzungen an der Wiesenstraße und ihrer Umgebung sollen die historischen Gebäude mit Türmchen und verzierten Fassaden weichen.

Das kam am Rande einer Ortsbegehung vergangene Woche heraus, zu der die Stadtverwaltung eingeladen hatte (wir berichteten). Der inzwischen weitgehend aufgegebene Industriestandort soll sich nach dem Willen der Stadt künftig bekanntlich in ein neues Quartier mit bis zu 200 Wohnungen nebst Sozialeinrichtungen wie Rehaklinik und Pflegeheim verwandeln. Die Investoren – die Lüdenscheider Immobilenfirma Rothmann und die Wessel-Gruppe aus Gelsenkirchen – stehen bereits in den Startlöchern.

Das Großvorhaben berührt dabei auch die benachbarte Gersbeuler Straße. Der Abriss besagter Altbauten dort – nicht zu verwechseln mit den drei mächtigen Stadtvillen an der ebenfalls nahen Liebigstraße – „gehört zur Rahmenplanung des Projekts“. So äußerte sich bei der Ortsbegehung Robert Wild, Leiter des kommunalen Fachdienstes Stadtplanung und Geoinformation, im LN-Gespräch.

Nach Recherchen unserer Zeitung finden sich beide Gebäude bereits im Adressbuch der Stadt von 1896, sind also mindestens 125 Jahre alt. In der Denkmalschutzliste der Stadt stehen die beiden Gebäude allerdings nicht.

Warum genau sollen die historischen Häuser weg? Weil just an dieser Stelle künftig die geplante Rehaklinik stehen soll, wie Michael Poschmann weiß. Poschmann ist Geschäftsführer der Wessel-Gruppe, die die Klinik realisieren will. Die beiden Gebäude, weiß Poschmann, gehören einem Eigentümer: „Und der will auch verkaufen.“ In beiden Häusern leben derzeit noch Mieter, die in Anbetracht der Entwicklung ihre angestammten Wohnungen verlieren könnten. Dazu Poschmann: „Da müssen wir mit den Leuten sprechen und eine vernünftige Lösung finden.“

Industrieelement als Denkmal erhalten

Eine Anregung zur Gestaltung des neuen Viertels kam bei der Ortsbegehung von Jutta Hellmann. Die Lüdenscheiderin, die sich seit Jahren für ein gutes Sozialleben im benachbarten Stadtteil Kluse einsetzt, möchte, dass zumindest ein kleines Element der alten Industriebauten an der Wiesenstraße als Denkmal erhalten bleibt, also nicht abgerissen und überbaut wird: „Damit man sich später erinnert, was hier war.“ Entgegnung von Martin Bärwolf, im Rathaus Leiter des Fachbereiches „Planen und Bauen“: „Die Idee nehmen wir mal auf.“ Gleichzeitig schränkte er aber ein: „Die Investoren gehen bei der Projektentwicklung natürlich finanzielle Risiken ein. Da entscheiden sie selbst, was wirtschaftlich machbar ist.“

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