Stadt droht mit Zwangsräumung

Stadt im MK verlangt von Mietern 100 Euro - weil sie wohnen

Die Stadt Lüdenscheid verlangt von Mietern eines Hochhauses 100 Euro plus Gebühren - weil sie in ihren Wohnungen wohnen. Teilweise seit mehr als 40 Jahren. 

  • Mieter eines Hochhauses in Lüdenscheid bekamen Post von der Stadt
  • Sie sollen 100 Euro plus Bearbeitungsgebühr bezahlen - weil sie in ihren Wohnungen wohnen
  • Hintergrund ist ein Streit der Stadt mit dem Vermieter

Der Streit um fehlende Rettungswege und eine Aufstellfläche für die Feuerwehr am Hochhaus Handweiserstraße 16 schwelt weiter.

Für sechs Mietparteien tickt die Uhr bis zur drohenden Räumung ihrer Wohnungen unerbittlich. Wie der Lüdenscheider Roland Desens, Schwiegersohn von Mieterin Anna Dabrowski (85) und Sprecher der betroffenen Bewohner, gegenüber unserer Redaktion mitteilt, hält die Stadtverwaltung an ihren Forderungen fest

Für den behördlichen Bescheid über die „Untersagung rechtswidriger Nutzungen“ - in diesem Fall das Wohnen - müssen die Mieter der Sozialwohnungen Gebühren von jeweils 100 Euro plus 3,50 Euro für Auslagen entrichten. Die Frist zur Zahlung ist am Dienstag, 14. Juli, abgelaufen. 

Mieter-Rauswurf in Lüdenscheid: Stadt will Hochhaus zwangsräumen und versiegeln

Desens: „Ich habe den Leuten empfohlen, die Gebühr zu bezahlen.“ Anderenfalls müssten die Betroffenen wohl mit dem Besuch eines Gerichtsvollziehers rechnen. 

Die Gebühren stellen für die Mieter ein vergleichsweise kleines Übel dar. Sollten die zuständige R & S-Hausverwaltung und die städtische Bauaufsicht in den nächsten Tagen keine Einigung über die Beseitigung des „baurechtswidrigen Zustandes“ erzielen, will die Stadt die Wohnungen spätestens übernächste Woche Montag zwangsräumen und versiegeln

Ein Feuerwehreinsatz an einem der Hochhäuser an der Handweiserstraße machte in der vergangenen Woche die Brandschutzmängel auf dem Gelände deutlich.

In der Ordnungsverfügung heißt es dazu: „Die Kontrolle, ob die Wohnnutzung aufgegeben wurde, findet am 28. Juli gegen 10 Uhr statt.“ Doch wohin die Mieter umziehen sollen, dafür habe die Verwaltung kein Angebot gemacht, kritisiert Roland Desens. „Hier geht die Stadt sehr, sehr schlecht mit Bürgern um.“ Seine betagte Schwiegermutter wohne immerhin seit 47 Jahren in dem Haus. 

Mieter-Rauswurf in Lüdenscheid: Gespräch für Zwischenlösung am Donnerstag

Dazu sagt Stadtpressesprecher Sven Prillwitz: „Wir wollen vermeiden, dass wir die Menschen aus ihren Wohnungen holen müssen.“ Aber die Stadt müsse halt auch für die Sicherheit der Bürger sorgen

Prillwitz weiter: „Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, dann hat der Inhalt der Ordnungsverfügung Bestand.“ Inzwischen liegt zumindest ein weiteres Gesprächsangebot vor. Am Donnerstag, 16. Juli, um 11 Uhr wollen sich die stellvertretende Fachdienstleiterin Dr. Irina Vellay und die seit kurzem für R & S tätige Architektin Barbara Hemicker über mögliche Zwischenlösungen austauschen. 

Ziel der Architektin ist zunächst der zügige Bau eines Gerüstes, um eine Evakuierung zu verhindern. Am Donnerstag will sie im Rathaus auch ein Konzept für eine Dauerlösung vorstellen.

Ein Mieter aus dem Märkischen Kreis überwies 3.500 Euro und bekam dennoch drei Mahnungen. Auch eine Stadtwerke-Kundin aus Lüdenscheid bekam Post: Sie sollte mehr als 3.000 Euro bezahlen - obwohl sie längst weggezogen war

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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