„Hexe brennt, happy end“

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Michael Feindler stellte am Freitagabend bei den Kleinkunsttagen sein Programm vor.

LÜDENSCHEID -  Unterm Strich ein charmanter junger Kabarettist, der mit seinem Alter kokettiert und sein Programm darauf abgestimmt hat: Freitagabend stellte Michael Feindler als Dritter im Bunde in der Garderobenhalle des Kulturhauses seinen Beitrag zum Kleinkunstfestival vor. Und diesmal hatte Kulturhausleiter Stefan Weippert eine glückliche Hand damit, einen so ganz anderen Beitrag auszuwählen.

Von Jutta Rudewig

Aus Berlin sei er angereist, ließ der Kulturhausleiter wissen, und Feindler habe festgestellt, dass die Reise mit der Bahn von Berlin nach Lüdenscheid gar nicht so leicht sei. Feindler wirkte von Beginn an natürlich, offenherzig und spitzzüngig. Dass er aus der Poetry-Slam-Szene stammt, hörte man schon nach wenigen Minuten.

Musik und Lyrik und am besten beides in einem haben es dem Kabarettisten angetan. So erzählte er von den Berufswünschen der Grundschüler – Friedensaktivist oder auch Tierschützer – , davon, dass die Struktur der Betonwände in den Klassenräumen interessanter war als der Unterricht und mancher Lehrer gar die Gabe hatte, seine Kleidung mit der Farbe der Wand förmlich verschmelzen zu lassen. Schüler und Lehrer, Student und Dozent – das Programm „Dumm nickt gut“ stellte eine verfehlte Bildungspolitik an den Pranger, den Konsum von Fernsehsendungen, die zur Verblödung beitragen, „wozu in die Ferne schweifen“, wenn es doch Google, Facebook, Chat-rooms und Youtube gibt?

Sympathisch, locker und mit einer angenehmen Stimme kam Feindler daher, erzählte kreuz und quer aus dem Studentenleben und so mancher Revolution am Küchentisch der WG zwischen acht Kronkorken. Das alles mit einem unfassbaren Potenzial an Worten im Kopf, die zwar hier und da mal ein wenig gerafft werden müssten, aber amüsierten oder auch nachdenklich machten. Schön auch der Running Gag „Alte Texte für neue Ohren“, in dem Feindler ausgedehnte und Generationen von Schülern quälende Lyrik der alten Meister oder auch Märchen auf Vierzeiler zusammenstrich: „Kleines Mädchen, roter Hut, Wolf frisst Oma, alles gut“. Oder auch noch kürzer: „Hexe brennt, happy end“.

Samstagabend ist in der Garderobenhalle ab 19.30 Uhr Frank Grischek zu Gast. Es gibt noch Karten für 15 Euro an der Theaterkasse.

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