Ein Leben in Häppchen

+
Jan Christof Scheibe, Kristian Bader und Michael Ehnert boten das Leben Goethes in leicht verdaulichen Häppchen an.

Lüdenscheid -  Nicht nur leicht gekürzt waren die Werke, die da am Mittwochabend präsentiert wurden. Aber man musste nicht unbedingt fit sein im Sortieren des Goethe’schen Gesamtwerks. Das übernahmen drei Herren aus Hamburg-Altona. „Goethes sämtliche Werke – leicht gekürzt“ stand auf dem Spielplan, zu Gast war das Ensemble des Altonaer Theaters.

Zweieinhalb Stunden im Parforceritt durch das Leben eines literarischen Genies. Doch der Rundumschlag aus Jahreszahlen, Namen und zum Teil brandaktuellen Anspielungen wie den Arbeitskräften aus Nordafrika oder den Briefkastenfirmen in Panama machte Spaß. Michael Ehnert, Kristian Bader und Jan Christof Scheibe – bekannt geworden als „Schillerbande“ mit der Aufführung des Vorgängers „Schillers sämtliche Werke – leicht gekürzt“ – sind von Haus aus Kabarettisten, Comedians und Musiker. So wunderte es nicht, dass das Leben und Leiden eines Genies so amüsant daherkam.

„Goethe klingt nach Stock im Arsch“, ließ Michael Ehnert gleich zu Beginn vernehmen. Doch vor allem Jan Christof Scheibe sorgte in Frauenkleidern als Goethes Straßburger Liebchen Friederike Brion für viel Zwischenapplaus. Und notwendig waren seine musikalischen Einlagen durchaus, denn die eine oder andere Wiedergabe Goethe’scher Dichtkunst kam doch etwas zäh daher.

Dargestellt wurde das Leben des Genies als Rückschau. Kristian Bader mimte gleich zu Beginn Johann Peter Eckermann, Schriftsteller und enger Vertrauter Goethes, Michael Ehnert kam als Goethe selbst aus dem Publikum auf die Bühne und rezitierte des Wand’rers Nachtlied – „Über allen Gipfeln ist Ruh“. Vorhang auf – an die 20 Kisten, in denen das Lebenswerk lagerte und nach und nach hervorgekramt wurde – einschließlich der verschollenen Dokumente, versteht sich. Kriegserlebnisse, Werther, Götz von Berlichingen und Clavigo – großen Dramen prasselten im Stakkato auf das Publikum ein. Bis zur Pause nach knappen eineinhalb Stunden hatte sich auch der letzte Klassikmuffel im Saal auf die Hetzjagd durch das Goethe’sche Leben eingelassen, gewürzt mit komischen Elementen und weit weg vom Deutschunterricht der Vergangenheit.

Im zweiten Teil wurde die Inszenierung schräger. Das Trio entwickelte Verschwörungstheorien über die Frauen in Goethes Leben und ließ am Ende dem alten Dichter seinen Frieden auf dem Kickelhahn bei Ilmenau, dort, wo Goethe einst „Über allen Gipfeln ist Ruh“ an die Wand einer kleinen Schutzhütte schrieb. Die Verse sind heute noch dort nachzulesen – in 16 Sprachen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare