60-Meter-Waschstraße ab Januar im Betrieb

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Erwin Bald (r.) und sein Waschanlagen-Betreiber Gzim Ahmeti sind regelmäßig auf der Baustelle und feilen an Details. - Fotos: Kornau

Lüdenscheid - Zwischen zwei und drei Millionen Euro hat der Iserlohner Mineralölkaufmann Erwin Bald in die neue „SoftWash“-Waschstraße an der Altenaer Straße investiert. Fachleute aus neun Unternehmen sind zurzeit zeitgleich am Werk. Bald sieht’s zufrieden.

Hier wird die Beschilderung montiert, dort möchte er noch sicherheitshalber einen kleinen Zaun auf die Mauer zwischen den 13 Saugplätzen und dem Gehweg gesetzt haben. Und die fürs Kassenhäuschen vorgesehenen dunklen Fliesen, die gehen gar nicht, findet der Mineralölkaufmann. Doch fürs große Ganze zählt jedes Detail. Also werden es sandfarbene Fliesen.

Welche Spuren hereingetragener Schnee und Salz im Winter auf dunklem Boden hinterlassen, und erst recht welchen Eindruck – das geht nicht in einem Betrieb, der sich der Sauberkeit verschrieben hat.

Spar-Konzept: Wasserrückgewinnung minimiert Frischwasserverbrauch und LED-Einsatz die Stromrechnung (80 Prozent Ersparnis).

Perfektion kostet auch Zeit. So hat sich der Eröffnungstermin in den Januar verlagert. „Ich wollte es nicht forcieren“, sagt der Investor, der auf November gehofft hatte. Doch weil die Lüdenscheider Express-Anlage – maßgeschneidert, wie sie ist – kein rechtes Vorbild kennt, musste manches vor Ort entschieden werden. Kurz vor Weihnachten noch in Betrieb zu gehen, darauf hat Bald bewusst verzichtet. Sollte es Anfangsmucken geben, müssten die sofort behoben werden können. Aber über die Weihnachtstage Handwerker zu bekommen, sei schwierig. Also geht er auf Nummer sicher. Nach einem halben Jahr Bauzeit beginnt mit dem „Einwaschen“ am 7. Januar die Feineinstellung und am 10. Januar der Alltag.

Bei der Beschreibung dessen, was den Kunden – und vor allem sein Auto – auf großzügigen 60 Metern Maschinenpark erwartet, gerät er ins Schwärmen. Vorreinigung, Köcher für Insektensprühlanzen hier, Hochdruckradkastenkreisel dort, eine chemische Front- und Heckschürzeneinsprühung gibt es und eine Reifenglanzstation. Zum Schluss das Trockenpusten, und ein Quirl aus gelben Streifen ledert die letzten Tropfen ab.

Noch herrscht Baustellenbetrieb, aber am 10. Januar ist Eröffnung. Gewaschen wird von 8 bis 19 Uhr, sonn- und feiertags nicht.

Noch stehen die Bürsten still, die Kanister mit Glanzwachs und Powerschaum bereit. Erwin Bald ist „begeisterter Nano-Wachs-Wäscher“: „Der Glanz ist sensationell.“ Der Moment, wenn der Wasserschwallbogen reißt, weil das Wachs durchsprüht, das sanfte Einmassieren der Glanzpolitur durch Textilbürsten – hier redet nicht ein Geschäftsmann über Wasch-Automatisierung, hier begeistert sich ein Unternehmer für seine Fahrzeug-Wellness-Farm. Einer, der liebt, was er tut. Einer, der leidenschaftlich gern dazulernt, immer noch, obwohl seit 1960 erfolgreich im Geschäft.

Heute betreibt seine Iserlohner Mineralölvertriebs GmbH 38 Tankstellen bis Niedersachsen sowie in Herdecke bereits eine Waschanlage. Die Planung für Lüdenscheid hat sich lange hingezogen, auch, weil man Tankstellen nicht leichten Herzens aufgebe, sagt der Kaufmann. „Aber wir wissen ja nicht, wo der Zug hinfährt.“ Zu viele Alternativen bis hin zum Strom – das Geschäft mit Kraftstoffen wird schwieriger, der Verbrauch sinken, die Marge kleiner, das Zusatzgeschäft der Shops wichtiger. „Nur die Fahrzeugdichte wird nicht nachlassen“, glaubt er: „Deshalb ist Autopflege sehr interessant.“

Die können aber selbst modernste Maschinen nicht perfekt. 80 Fahrzeuge schaffen sie pro Stunde. Im Hochbetrieb sind zudem fünf bis sechs Leute im Einsatz. Der maschinelle Prozess endet mit Handarbeit: Die Türrahmen rechts und links reinigt der Mensch. „Wie sieht das denn sonst aus?“ fragt Bald. „Das ganze Auto sauber, und wenn man die Tür öffnet...“ - sum

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