Metall- und Elektro-Industrie in Lüdenscheid: Fast jeder dritte Betrieb meldet Kurzarbeit an

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Lüdenscheid – Steigende Zahlen bei der Kurzarbeit, mehr Firmen, die ihre Geschäftslage als schlecht beurteilen und mit negativen Erwartungen auf die nächsten sechs Monate blicken: Die aktuelle Konjunkturumfrage der Metall- und Elektroindustrie ist auch in der heimischen Region von Unsicherheit geprägt.

Kürzlich stellten Dr. Frank Hoffmeister, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie (AGV) Lüdenscheid, und Geschäftsführer Christian Lepping die Ergebnisse der Umfrage für das Verbandsgebiet des AGV Lüdenscheid vor. 

Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilten demnach lediglich noch 14 Prozent der befragten Unternehmen als gut. Vor einem Jahr waren es 48 Prozent. 36 Prozent schätzen die Lage schlecht ein (2018: 9 Prozent). Bei den Erwartungen gehen 14 Prozent von einer Verbesserung aus, 67 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung und 19 Prozent von einer negativen – und das bei einer deutlich schlechteren Ausgangslage als vor einen Jahr, betont Hoffmeister. 

Christian Lepping und Dr. Frank Hoffmeister (von links) stellten die Konjunkturumfrage für den AGV Lüdenscheid vor.

Aus dem Verbandsgebiet des AGV, das große Teile des südlichen Märkischen Kreises umfasst, beteiligten sich 42 Unternehmen mit 7224 Beschäftigen an der Umfrage. Ein Jahr zuvor waren es 23 Firmen mit 4671 Beschäftigten. Neueinstellungen sind derzeit nur noch bei fünf Prozent der Unternehmen erfolgt beziehungsweise geplant. 

Vor einem Jahr hatte noch die Hälfte der befragten Firmen Neueinstellungen getätigt, 32 Prozent diese geplant. Die Zahl der Entlassungen ist dagegen gestiegen. Außerdem haben 17 Prozent der befragten Firmen in den sechs Monaten vor der Umfrage Kurzarbeit angemeldet, in den darauffolgenden sechs Monaten werde der Anteil auf 29 Prozent steigen. Vor einem Jahr hatte noch gar kein Betrieb Kurzarbeit angemeldet. 

Investitionsbereitschaft nimmt ab

Auch die Investitionsbereitschaft nimmt ab. 17 Prozent der Firmen gehen davon aus, mehr Geld in ihre Unternehmen zu investieren als im Vorjahr, aber 31 Prozent kündigen sinkende Inlandsinvestitionen an (2018: 14 Prozent). Besonders die im Märkischen Kreis stark vertretenen Zulieferer der Automobilindustrie müssten aber „Geld für Investitionen bereitstellen, damit die Transformation zur E-Mobilität gelingen kann“, sagt Hoffmeister. 

Mit Blick auf die im Frühjahr anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektro-Industrie plädiert er dafür Maß zu halten: „Unsere Mitglieder werden genau hinschauen, ob die Tarifpartner einen mittelstandstauglichen Kompromiss erzielen, der die erforderlichen betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten bietet und der aktuellen konjunkturellen Lage Rechnung trägt“, meint der AGV-Vorsitzende. 

Die Wirtschaft befinde sich in einem Strukturwandel und zudem gebe es viele Unsicherheiten. Klimawandel, E-Mobilität, Handelsstreit und Brexit bedeuteten essenzielle Herausforderungen für den Mittelstand in der größten Industrieregion Nordrhein-Westfalens, sagt Hoffmeister. Eine Trendwende sei dabei noch längst nicht in Sicht.

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