Fans härterer Töne kommen auf ihre Kosten

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Leichenwetter- Sänger Numen.

Lüdenscheid. Am Samstag kamen beim Metal-Tag im Rahmen des Lüdenscheider „Kult.Park“-Festivals die Fans der härteren Musik auf ihre Kosten.

Für die Veranstaltung, die unter Federführung des Lüdenscheider Vereins Underground Musik stattfand, standen die Vorzeichen zunächst nicht so gut. Phasenweise regnete es vor Beginn des Konzertes wie aus Kübeln, und dann erreichte die Veranstalter auch noch die Hiobsbotschaft, dass die Formation Helldozers aus Köln mitten auf der A 45 mit kochendem Kühler liegengeblieben war.

 Doch die Musiker setzten alles daran, doch noch nach Lüdenscheid zu kommen, und die Veranstalter zogen die eigentlich als zweiten Act vorgesehenen Seth 13 vor, sodass die Helldozers schließlich doch noch auf der Sternplatz-Bühne standen. Auch das Wetter war den in großer Zahl erschienenen Metal-Fans schließlich hold, und so trat Sänger und Gitarrist Frank Sieling mit seiner Combo Seth 13 tatsächlich noch bei zeitweisem Sonnenschein auf.

Unterstützt wurde er diesmal – die Band tourt derzeit in drei verschiedenen Besetzungen mit Sieling als Konstante – von Michael Kusch (Bass), Sebastian Mollner (Gitarre) und Julian Wohlgemut (Schlagzeug). Der handfeste Power-Metal, den die 2005 gegründete Formation bietet, kam einmal mehr hervorragend bei den Fans an, während Frontmann Sieling nicht nur wie gewohnt auf der Bühne Gas gab, sondern beim Rock-Brett „The Angel“ mit seiner Gitarre durch die Publikumsreihen spurtete und auf der Biertischbank stehend ein zünftiges Gitarrensolo abbrannte. Klassiker der Formation wie „Destroyer“, „The Arrival“ oder „Dragonfight“ durften ebenfalls im Set nicht fehlen.

 Einen gelungenen Aspekt des Abends stellte insbesondere der Umstand dar, dass ganz unterschiedliche Spielarten des Metal präsentiert wurden und somit für Abwechslung sorgten.

 Die Formation Helldozers, die aufgrund der Verzögerungen durch ihre Autopanne lediglich ein kurzes und knackiges Set von 45 Minuten hinlegen konnte, bot eine kernige Mischung aus Southern-, Groove- und Trashmetal, die durch rhythmische Brachialsounds, die Ehrfurcht gebietende Stimme von Frontmann Tony Rynskiy sowie elektrisierende Soli bestach. In ihrem ursprünglichen, ungeschliffenen Sound erinnerte die Combo, die neben dem Frontmann aus Philipp Reissfelder (Bass, Gesang), Atha Vassiliadis (Gitarre) sowie Alex Müller (Schlagzeug) besteht, mehr als einmal an die unvergessenen Motörhead mit ihrem verstorbenen Frontmann Lemmy Kilmister, denen sie passenderweise den Song „We Love Motörhead“ widmeten.

 Die Formation Leichenwetter aus Iserlohn bietet wiederum eine ganz andere musikalische Spielart. Die Combo um Frontmann Numen alias André Winkhaus verarbeitet Texte oder Textbestandteile oft längst vergessener Dichter der deutschen Literatur wie zum Beispiel Else Lasker-Schüler und untermalt die oft ebenso traurigen wie mystisch-romantischen Texte mit einer musikalischen Mischung aus Gothic und Metal, die ab und an ein wenig an Steampunk-Heroen wie Rammstein, Megaherz oder Lichtgestalt erinnern. Herausragend war dabei unter anderem das Werk „Romanze zur Nacht“, dessen Grundlage Teile eines gleichnamigen Gedichtes des während des 1. Weltkrieges verstorbenen österreichischen Schriftstellers Georg Trakl sind, die mit einem eingängigen Refrain unterlegt wurden. Ebenso romantisch, melancholisch und düster gestalteten sich Stücke wie „Abendlied“, „Klage“ oder auch „Letzte Worte“ (Von den Sternen grüß’ ich euch), das als Opener für den hörenswerten Gig der 1996 gegründeten Formation fungierte.

Für Fans härterer Töne gestaltete sich der Abend somit zu einer rundum gelungenen Veranstaltung, die die große Publikumsresonanz mehr als verdient hatte.

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