Das Messer im Bauch erst nicht bemerkt

LÜDENSCHEID ▪ Das blutige Ende eines Trinkgelages brachte einen 62-jährigen Kiersper erst vors Amtsgericht und gestern vor das Landgerichts Hagen. Am Ende änderte sich am erstinstanzlichen Urteil nichts.

Der Mann verließ den Saal mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe, 500 Sozialstunden, einer dreimonatigen Führerscheinsperre und 400 Euro Geldstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Trunkenheit im Straßenverkehr.

Der Kiersper gab zu, am 23. November vergangenen Jahres in Lüdenscheid nach „ein paar Bierchen“ mit dem Messer auf einen 55-jährigen Mann losgegangen zu sein. Dabei hatte er seinem Opfer das Messer zunächst in den Bauch gerammt. Anschließend hatte er auf die Brust des Mannes gezielt. Der Geschädigte erklärte gestern, es sei zu einem Streit wegen des Führerscheins des Angeklagten gekommen. Als der Lüdenscheider keine Lust mehr gehabt habe, über das Thema zu reden, sei er nach draußen gegangen: „Ich hab’ Holz geholt, kam wieder und hatte das Messer im Bauch. Den Schmerz habe ich erst gar nicht gemerkt. Aber ich habe es in mir stecken sehen.“ Dann habe der Angeklagte auf seine Brust gezielt. Diesen Stoß hatte der 55-Jährige jedoch durch eine schnelle Bewegung ablenken können. „Wenn ich mich nicht weggedreht hätte, hätte er mein Herz getroffen.“ Schließlich sei der Kiersper auch noch auf die Frau des Lüdenscheiders losgegangen. Mit geballter Kraft war es dem Paar gelungen, den Mann mittels eines Stuhls auf die Terrasse zu schieben und die Türen zu verriegeln.

Seit dem Angriff hat sich im Leben des Opfers einiges geändert. Große Narben zeugen von der Tat. Der 55-Jährige gab gestern an, oft unter starken Stimmungsschwankungen zu leiden. Auch habe er große finanzielle Einbußen erlitten, da es ihm Monate lang nicht möglich gewesen sei, seiner selbstständigen Arbeit nachzugehen.

Neben der Körperverletzung räumte der Angeklagte weiter ein, sich am 3. Juli 2009 mit 1,8 Promille hinter das Steuer seines Wagens gesetzt zu haben. Auf der Bräuckenstraße in Lüdenscheid hatte ihm ein anderer Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt genommen.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Kammer des Landgerichts erklärte jedoch, dass sie das erstinstanzliche Urteil für den bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen Angeklagten für angemessen halte. Die gefährliche Körperverletzung bezeichnete der Vorsitzende Richter als „Ausnahmetat“.

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