Messegeschäft bricht weg: Cleverer Unternehmer druckt jetzt Abstandschilder

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Claus Vogel ändert für seine Werbeagentur am Drostenstück die Pläne. Statt Messen zu beliefern, druckt er aus dem vorhandenen Material Absperrbänder zum Aufkleben.

Lüdenscheid - „Wir fahren natürlich mit voll angezogener Handbremse“, sagt der Lüdenscheider Unternehmer Claus Vogel. Er betreibt mit seinem Team eine kleine Werbeagentur mit Druckerei am Drostenstück. Sein Hauptgeschäft: die Belieferung von Messen mit Plakaten und anderen Druckerzeugnissen. Ein Geschäft, das schlagartig brach liegt. Messen finden auch in absehbarer Zeit nicht statt.

„Wir sind hier zu viert. Ich will versuchen, so lange wie möglich durchzuhalten. Aber Gehälter, Miete und Maschinen kosten weiter“, weiß er um die vielen Probleme, die gerade auf die Handwerksbetriebe zurollen: „Wir müssen alle unseren Weg finden.“

Einer dieser Wege, die Claus Vogel gefunden hat, ist kreativ: „Aufgrund der aktuellen Lage bieten wir ab sofort Warnaufkleber für den Boden an, mit denen Sie Ihre Kunden, Mitarbeiter, Besucher oder Patienten auf den notwendigen Mindestabstand hinweisen können. Diese produzieren wir hier in Lüdenscheid zu einem Preis, der die Herstellkosten deckt und den lokalen Handel und Dienstleister unterstützen soll“, preist der Lüdenscheider an, was sonst eigentlich für ganz andere Zwecke gedacht ist.

Rollenweise bietet er in einem eigens dafür eingerichteten kleinen Web-Shop jene Warnbänder an, die in den noch geöffneten Geschäften Kunden auf den notwendigen Abstand aufmerksam machen sollen: „Viele Leute machen sich diese Warnhinweise selbst. Wenn man das etwas professioneller haben möchte, können wir das zeitnah und schnell produzieren.“

Was normalerweise auf Hallenböden oder Teppiche geklebt wird, soll nun das Überleben der Druckerei am Drostenstück ein Stück weit absichern. Claus Vogel: „Das ist kein Standardmaterial, sondern etwas Spezielles. Ökofarben, günstiger als im Online-Handel, und vor allem fällt nach Corona das elende Geknibbel weg, wenn man die Streifen wieder abmachen will. Unser Material ist einfach ablösbar. Wenn der Kunde will, drucken wir das sogar mit seinem Firmenlogo.“

Natürlich hat auch er vorsorglich Kurzarbeit für seine Mitarbeiter angemeldet – „wir warten auf eine Antwort“. Durchblick, wer wie und an welche Behörde er Anträge auf Unterstützung aus der Bundeskasse stellen soll, hat er (noch) nicht: „Mein Steuerberater hat gesagt, diese Anträge müssen online ans Finanzamt gestellt werden“, sagt er, und eine gewisse Unsicherheit schwingt in der Stimme mit, ob der in Aussicht gestellte milliardenschwere Rettungsschirm auch die kleinen Unternehmer erreicht: „Wir sind hier ein inhabergeführtes Unternehmen.

Wir müssen das wegatmen, so gut wir das hinkriegen. Aber es wird nicht leichter.“

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