Mercedes im Keller und Geldzählen: Letzte Geheimnisse der Sparkasse gelüftet

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Das Kundeninteresse an Tresoren wächst, erklärt Sparkassen-Mitarbeiterin Claudia Isenberg. Von den konventionellen Fächern, die der Kunde selbstständig mit seinem Schlüssel öffnen muss, sind noch einige frei, die automatisierte Anlage ist vollständig belegt.

Lüdenscheid - Im Keller springt im Notfall ein wuchtiger Achtzylinder-Lkw-Motor aus dem Hause Mercedes Benz an, ein paar Gänge und viele Brandschutztüren weiter füllen 24 000 Liter Wasser eine Betonwanne bis zum Rand für einen ganz anderen Bedarfsfall und aus dem Innenhof liefert eine Zisterne regelmäßig Brauchwasser für das Nötigste. Das technisch anspruchsvolle Gebäude zählt vermutlich zu den meistbesuchten in der Stadt. Aber viele Orte der Sparkasse am Sauerfeld bleiben auch den treuesten Kunden verborgen.

Einer, der das Haus vom Keller bis zum Dach in- und auswendig kennt und stets weiß, welche Tür wohin in diesem gewaltigen Komplex führt, ist Carsten Prillwitz. Seit 32 Jahren ist er Hausmeister in dem Geldinstitut und hat in dieser Zeit eine ganze Reihe von baulichen Veränderungen miterlebt: 1989 wurde der Erweiterungsbau errichtet, zur Jahrtausendwende das neue, ebenfalls von den Architekten Schürmann und Zoll entworfene Hauptgebäude bezogen.

 Für die Kunden und das Gros der Mitarbeiter stehen selbstverständlich die täglichen Geldgeschäfte im Vordergrund: Bargeldaus- und einzahlungen, Überweisungen, Anlagen, Kredite, Immobilienfinanzierungen und vieles mehr. Doch beim Gang durchs Gebäude zeigen sich ganz unbekannte Seiten des Geldinstituts.

Beeindruckendes Panorama, starke Leistung: Mehr als 181 Tonnen CO2 hat die Fotovoltaik-anlage auf dem Dach der Sparkasse seit 2011 eingespart.

Dabei sind diese ebenfalls geprägt vom Sparen. Auf den Dächern sorgen an die 400 Sonnenkollektoren für eine maximale Leistung von 65 Kilowattstunden pro Tag. Die hauseigene Stromerzeugung hat seit ihrem Ersteinsatz vor knapp acht Jahren mehr als 181 Tonnen CO2 eingespart, wie Sparkassen-Sprecher Thomas Meermann erklärt. Dort oben, entlang der begrünten Flächen, bietet sich dreierlei: ein beeindruckendes Panorama bei strahlendem Sonnenschein, der das regenerative Kraftwerk antreibt. Zugleich bietet die Konstruktion eine vorteilhafte Umweltlösung für Regentage. Über Rinnen und Fallrohre fließt der Niederschlag direkt in die Hof-Zisterne, denn das Regenwasser wird für die Toilettenspülung verwendet.

Prillwitz: „Wir sparen auf diese Weise kostbares Trinkwasser.“ Hauptverbraucher im Haushalt ist das WC: Rund 33 Liter sauberes Trinkwasser spült der Durchschnittsdeutsche jeden Tag das WC hinunter, weiß der Bundesverband der Energie- und Wasserversorger. Ausreichend dimensioniert ist die Zisterne auf jeden Fall. Selbst im vergangenen Hitzesommer fiel das unterirdische Reservoir nicht trocken. Deutlich sparsamer fällt im Gegensatz zu früheren Jahren auch die Warmwasserversorgung aus. „Statt 3500 Liter heizen wir heute nur noch 500 Liter vor“, erklärt Prillwitz den Wegfall einer kompletten Zirkulation, was den Energieverbrauch drastisch reduziert. „Warmes Wasser gibt’s nur noch für den Kantinenbereich, die Handwaschbecken werden mit Kaltwasser gespeist.“

Rahmedequelle unter dem Heizungskeller

Das kostbare Nass spielt im technischen Bereich ohnehin eine entscheidende Rolle. Das 24 000 Liter fassende Rückhaltebecken wird im Brandfall für die in den Parkdecks eingebaute Sprinkleranlage benötigt. Im Normalzustand sind die Rohre nur mit Luft befüllt. „Deshalb kann im Winter auch nichts abfrieren“, erklärt Prillwitz das Prinzip. Steigt die Temperatur an einem Sprinkler über ein Limit, öffnet er das Rohrnetz an der betreffenden Stelle. Der Luftdruck nimmt rapide ab und über die Alarmventilstation schießt das Löschwasser aus dem Bassin ins Rohrnetz.

Die Heizungsanlage meldet jede Störung aufs Handy von Carsten Prillwitz (links). Statt früher 3500 Liter werden nur noch 500 Liter Wasser vorgeheizt – vorrangig für die Küche.

Die nächsten Wege führen zu imponierenden Heizungsanlagen. Die Aggregate im Hauptgebäude wie auch im Erweiterungsbau stehen unter ständiger Beobachtung. Im Kontrollzentrum haben Carsten Prillwitz und seine Kollegen alles im Blick. Über den PC lassen sich Störungen ebenso erkennen wie kleine Nachlässigkeiten, wenn zu viel Wärme durchs gekippte Fenster entweicht. „Wir sehen genau, warum es etwas frisch im Büro ist.“ Dagegen bleibt es bei Vermutungen, was sich unter dem gut isolierten Heizungskeller des Hauptgebäudes verbirgt. „Wahrscheinlich stehen wir hier direkt auf der Rahmedequelle“, so Meermann.

Dagegen ist das Geheimnis um das ans Parkdeck angrenzende „unheimliche Loch“ gelüftet. Bei Sanierungsarbeiten entdeckten Arbeiter einen unterirdischen Raum, durch den die Abluft aus dem Parkhaus in große Edelstahlrohre strömt, die die Abgase ins Freie leiten. „Für dieses unterirdische Areal lagen keine verlässlichen Bauakten vor.“

Der Achtzylinder-Lkw-Motor dient der Sparkasse als Notstromaggregat. 462 Stunden Laufzeit hat die Maschine nach 30 Einsatzjahren „auf der Uhr“.

Neben den in modernen Anlagen verbauten technischen Finessen mit all ihren Umweltaspekten, dem 30 Jahre alten Dieselmotor, der an einen 600 Liter Tank angebunden ist und im Notfall die Stromversorgung sichert, geht es auch „unter Tage“ um Geld und verwahrtes Vermögen.

Münzgeld eine schwere und laute Sache

Norbert Lux und seine Kollegen müssen Tag für Tag kräftig zulangen, um das viele Münzgeld, das täglich aus Eisdielen, Kneipen, Ladenlokalen, MVG-Bussen oder Sparschweinen eingeht, ordnungsgemäß zu separieren. Von 1-Cent-Stücken bis zu den Zwei-Euro-Münzen wird das Hartgeld über die Sortiermaschine in exakt zugeordnete Münzsäcke gefüllt. Anschließend werden die Geldstücke Wert für Wert gerollt, eingeschweißt und an die Landeszentral- beziehungsweise Bundesbank geleitet. „Wenn das Wetter gut ist, nehmen Cafés und Lokale deutlich mehr Münzgeld ein“, erklärt Lux.

Keine leichte Handarbeit: Fürs Separieren der Münzen langt Sparkassen-Mitarbeiter Norbert Lux kräftig mit der Alu-Schaufel zu.

Inzwischen gehen die Münzen-Gebinde täglich raus und deshalb hält es sich mit dem Gewicht in Grenzen. Als der Abholrhythmus noch monatsweise erfolgte, musste ein Gabelstapler ran, um die sechs bis acht Container in das Transportfahrzeug zu verfrachten. So ganz entspannt wie bei Dagobert Duck ist das Geldzählen übrigens nicht. Wenn die Münzen durch die Sortiermaschine rattern, greifen die Sparkassen-Mitarbeiter zum Gehörschutz. „Sonst ist das nicht auszuhalten.“

Solche akustischen Einschränkungen gibt’s bei den Kundenschließfächern zum Glück nicht. Der automatisierte und nicht zugängliche Kundentresor befindet sich in einem Bereich, der früher zum Bankhaus Carl Basse gehörte. Ein schmiedeeisernes Tor mit den Initialen „C B“ grenzt den Raum im Keller ab. Der Kunde kommt bequem rund um die Uhr über den Haupteingang in die nur mit Karte und PIN zugängliche Kabine. Ist der Kunde in dem nur wenige Quadratmeter großen Raum, färbt sich die Scheibe an der Eingangstür milchig und sichert vor allzu neugierigen Blicken. Mit der EC-Karte fordert der Kunde sein Bankschließfach an, das robotergesteuert hervorgeholt wird. „Alle 2000 Schließfächer, die es in vier Größen gibt, sind belegt“, verweist Meermann auf das sehr begehrte Depot.

Zu den konventionellen Schließfächern führt eine Treppe im Kundenforum hinab in den durch eine mächtige Panzertür gesicherten Tresorbereich. Die 1500 Fächer unterteilen sich in drei Größen. „Der Zugang erfolgt über EC-Karte und PIN, den Schlüssel hat nur der Kunde“, erklärt Mitarbeiterin Claudia Isenberg. Zugang hat immer nur eine Person. „Schließfächer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Was drin ist, wissen wir natürlich nicht. Gold, Geld, Familienschmuck, seltene Münzen und wichtige Unterlagen wie Testamente werden überwiegend in den Tresoren verwahrt“, vermutet Meermann. „Wertsachen gehören nicht unter die Matratze.“

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