100 Euro für ein nacktes Mädchen

Menschenschlangen vor der Brügger Galerie Kümmel 

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Die „Waldi“-Fans Sandra Manz-Bosch und Monika Huber reisten extra aus Karlsruhe an, um Walter Lehnertz eine bestickte Mütze zu überreichen.

Brügge - Wenn Detlev Kümmel in seiner Galerie in Brügge zum Schätz-Wochenende einlädt, ist das inzwischen ein echtes Ereignis in dem Lüdenscheider Ortsteil. Jeder Bürger kann seine Schätze vor Ort von Experten taxieren lassen.

Die Lust, Fernsehstars aus der Show „Bares für Rares“ zu treffen, ist genauso für den großen Andrang verantwortlich. Denn der Hausherr, der hin und wieder als Experte in der Sendung zu sehen ist, wurde auch am Wochenende wieder unterstützt von Walter „80-Euro-Waldi“ Lehnertz, dem Kult-Trödler aus Kall-Krekel in der Eifel.

Darüber hinaus war am Sonntag auch Schmuckexpertin Susanne Steiger in der Galerie vertreten, die ebenfalls als Händlerin in „Bares für Rares“ mitwirkt. Ferner präsentierte der Künstler und Grafiker Achim Kegel an beiden Tagen seine Werke, die noch etwa einen Monat lang in der Galerie in Brügge ausgestellt werden. 

Während Detlev Kümmel am Samstag seine Kunden in der unteren Etage empfing, hielt 80-Euro-Waldi im oberen Stockwerk Hof. Beide Experten kassierten diesmal pro Expertise einen Betrag von mindestens einem Euro, der für die Initiative Glücksbringer unserer Zeitung bestimmt war. Ebenfalls der Glücksbringer-Initiative fließen zehn Prozent aus dem Verkauf der Bilder von Achim Kegel zu. 

Insbesondere Walter Lehnertz konnte sich vor den vielen treuen Fans kaum retten. So besuchten ihn zum Beispiel Sandra Manz-Bosch und Monika Huber, die eine mehrstündige Anreise aus Karlsruhe auf sich genommen hatten, um den Trödler zu treffen. Darüber hinaus hatten die beiden extra eine Mütze mit dem Schriftzug „Waldi’s Eifel Antik“ besticken lassen, die sie ihm vor Ort feierlich überreichten.

Das fachmännische Urteil des Experten wurde in vielfacher Hinsicht in Anspruch genommen. Sei es bei der Beurteilung einer Citizen-Armbanduhr, von Silberutensilien oder Kleinmöbeln – die Schlange der Menschen vor Waldis Tisch riss nicht ab, und der Antiquitätenspezialist kam kaum dazu, sich zwischendurch mit Kaffee und Kuchen zu stärken. Eher ernüchternd fiel das Urteil über ein Kleinmöbel aus, das Gudrun Nitz auf einem Flohmarkt erstanden hatte. Die eigentümliche Mischung aus Thermometer und Kalender sollte aus dem maritimen Bereich stammen und aus Wurzelholz bestehen, doch Waldi erkannte schnödes, gebeiztes Fichtenholz, das auf Nachgemachtes schließen ließ. Das Angebot des Experten, ihr das Kistlein für 50 Euro abzukaufen und es als Schlüsselkasten zu benutzen, nahm die Besitzerin, die noch eine weitere Meinung einholen möchte, erst einmal nicht an.

Künstler Achim Kegel mit Hans Eginhard Branscheid und Rosemarie Holz-Heusmann

Ebenfalls in der oberen Etage stellte der Künstler und Grafiker Achim Kegel aus Ockenfels bei Linz am Rhein seine Arbeiten aus, die oft Ikonen der Musik- und Filmkultur abbilden, aber auch hin und wieder im Stil der Pop-Art-Kunst von Roy Lichtenstein gehalten sind. „Ich arbeite nicht, wie viele andere Grafiker, mit dem Apple-PC, sondern lege Wert auf echtes Handwerk“, betont Kegel, der hauptberuflich im Marketing tätig ist. Seine Bilder, die oft Zeichen-, Mal- und Collageelemente enthalten, stellen berühmte Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe, Keith Richards oder Bob Marley dar, aber auch Comicszenen sind in der sehenswerten Ausstellung enthalten. Begeistert von Kegels Arbeiten waren auch Hans Eginhard Branscheid und Rosemarie Holz-Heusmann, die nicht nur mit dem Kauf einiger Bilder liebäugelten, sondern sich auch von dem Künstler porträtieren lassen wollten.

Detlev Kümmel zeigte sich bereits am Samstag bezüglich der Resonanz auf das Schätz-Wochenende rundum zufrieden. „Es sind deutlich mehr Gäste hier als bei der letzten Veranstaltung“, erklärte der Galerist. Im Laufe des Tages hatte Kümmel bereits einige vielversprechende Stücke erstanden, neben zahlreichen Silber- und Bronzeobjekten zum Beispiel ein Gemälde des bekannten Münchner Malers Julius Seyler. 

Recht zufrieden mit ihrer Expertise war schließlich auch das Schalksmühler Ehepaar Ulla und Rolf Engelkamp, das mit der Porzellanfigur „Nacktes Mädchen mit Birkhahn“ nach Brügge gekommen war. „Das ist Frauenreuther Porzellan und etwa 100 Jahre alt“, meinte Rolf Engelkamp, der Wert der Figur liege laut Detlev Kümmel bei etwa 100 Euro. „Eigentlich sollte sie in den Müll“, sagte Engelkamp, „jetzt sind wir froh, dass wir sie noch haben.“

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