Menschenraub vor Gericht: „Wir haben das geregelt“

LÜDENSCHEID ▪ Er hatte „Probleme mit ein paar Jungs“. Die wollten 350 Euro von ihm. „Wir haben das geregelt, da hatte er keine Probleme mehr.“ Diese Version eines der Angeklagten stimmt nicht ganz. Der junge Mann hatte nun die Freunde am Hals, die sein Problem „geregelt“ hatten.

Die wollten für ihre Dienstleistung nämlich 100 Euro. Um die von dem Arbeitslosen zu bekommen, schritten sie zu Tat. Der Vorwurf der Staatsanwältin: erpresserischer Menschenraub.

Drei Lüdenscheider sitzen vor dem Jugendschöffengericht – zwei sind 18, einer 20 Jahre jung. Man kennt sich aus der Schule. Die beiden jüngeren, einer vorbestraft, geben ihre aktuelle Tätigkeit mit „gar nix“ und „leider überhaupt nix“ an, ihr Freund macht immerhin eine Ausbildung. Sie legen ein Geständnis ab. Und erzählen, was passiert ist am Abend des 19. Februar.

Da treffen die 18-Jährigen ihr Opfer auf dem Spielplatz in der Kluse. Und drücken ihm eine gelbe Tüte in die Hand. Der Grund dafür bleibt unklar. Was sich in der Tüte befindet, überrascht die Juristen aber doch: eine Handgranate. „Die haben wir von einem kleinen Jungen im Jugendtreff bekommen. Wir wussten gar nicht, ob die echt ist.“ Die Staatsanwalt geht davon aus, dass das Ding scharf war.

Die beiden nehmen ihren Bekannten mit zur Elsa-Brändström-Straße. Dort wohnt ein Kumpel, der dritte Angeklagte. Zweieinhalb Stunden bearbeiten die beiden 18-Jährigen den Jungen. „Ich habe ein Luftgewehr auf sein Bein gerichtet und abgedrückt“, sagt einer. „Das war aber nicht geladen.“ Und mit dem Messer habe man vor dem Jungen „’rumgefuchtelt“. Schließlich kriegt er einen Faustschlag ins Gesicht – und dazu ein paar Striche mit einem blauen Edding aufgemalt. Der Richter: „Er war in der Opferrolle, er hat sich seinem Schicksal ergeben.“

Bei der Polizei sagt das Opfer später aus, er habe für seine Peiniger in der Stadt Jeanshosen und Goldketten klauen sollen, „das habe ich aber nicht gemacht“. Der 20-Jährige berichtet, er habe nicht mitgemacht, sondern „die ganze Zeit am Computer gesessen“. Das Gericht stellt das Verfahren gegen ihn ein.

Das Duo wird wegen gemeinschaftlichen versuchten schweren Raubes in Tateinheit mit Nötigung und Körperverletzung verurteilt. Einer von ihnen bringt schon acht Monate aus einem anderen Verfahren mit und kriegt 18 Monate Jugendstrafe zur Bewährung und 300 Sozialstunden. Der andere kommt mit einem Schuldspruch zur Bewährung davon.

Olaf Moos

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