Sexuelle Ausbeutung: Zuhälter schweigen

Lüdenscheid - Sie war wohl scharf auf schnelles Geld – und bereit, sich dafür fremden Männern hinzugeben. Dass sie ausgerechnet ihren Ex-Freund in ihre Pläne einweihte, ins Rotlicht-Milieu zu gehen, war aber offenbar ein schwerer Fehler.

Von Olaf Moos

Der damals 19-Jährige witterte ebenfalls schnelles Geld. Nach Überzeugung von Staatsanwalt Christoph Bußmann hat er sich zusammen mit einem Komplizen unter anderem des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung schuldig gemacht.

Der Auftakt des Prozesses vor der 1. großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen unter Vorsitz von Richter Marcus Teich gestaltet sich zäh. Viele Interessen stehen auf dem Spiel. Die beiden Lüdenscheider, heute 20 und 25 Jahre alt, lassen sich von drei Rechtsanwälten verteidigen: der Jüngere von Andreas Trode und Dirk Löber, der Ältere von Burkhard Benecken aus Marl. Petra-Maria Borgschulte aus Hamm vertritt die Nebenklage der jungen Prostituierten. Eine Vertreterin der Lüdenscheider Jugendgerichtshilfe wird Bericht erstatten, ein Psychiater die Beschuldigten begutachten.

Die beiden Männer auf der Anklagebank machen von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Zuerst wollen die Verteidiger die Geschädigte anhören, bevor ihre Mandanten sich äußern. Die junge Frau soll am nächsten Verhandlungstag aussagen. Stattdessen sagen zunächst eine Aufsicht aus einem Hagener Bordell und zwei Polizisten aus. Puzzleteile aus Vernehmungen und Erinnerungen müssen zusammengefügt werden.

Das vorläufige Bild sieht so aus: Anstatt ihre Geschäfte in eigener Regie und auf eigene Rechnung zu machen zu können, sieht sich die Lüdenscheiderin übelsten Repressalien ihrer selbsternannten Zuhälter ausgesetzt. Sie zwingen sie, eines der Zimmer auf Hagens sündigster Meile, der Düppenbecker Straße, zu beziehen. Sie bestimmen, welchen Freier sie wann und wo mit welchen Dienstleistungen zu beglücken hat. Sie knöpfen ihr jeden Cent ab, den sie verdient. So bleibt sie zwischendurch sogar die Zimmermiete für 80 Euro am Tag schuldig – und muss Geld vor den Männern verstecken, um sich etwas zu Essen oder Hygieneartikel kaufen zu können, wie ein Ermittler sagt.

Die Aufpasserin des Bordells erinnert sich, eines Tages 500 Euro von der neuen Kollegin bekommen zu haben, zum Teil zur Begleichung von Mietschulden. Darauf verprügeln die beiden Angeklagten das Mädchen in einem Wald bei Hagen – und schaffen sie anschließend ins Krankenhaus.

Der Prozess wird am nächsten Dienstag, 13.30 Uhr, im Saal 201 fortgesetzt.

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