Ärztliche Versorung vor Ort bereitet Sorgen

Treffen zum Meinungsaustausch zur ärztlichen Versorgung in der Dialyse-Gemeinschaftspraxis am Buckesfeld zwischen Dr. Olaf Loke, Silke Senftner, Petra Crone, Dieter Dzewas, Gordan Dudas, Dr. Dirk Meinke, Regina Verch und Dr. Christoph Mohler (v.li.). -  Foto: Messy

Lüdenscheid - Die Infrastruktur der ärztlichen Versorgung gerät immer mehr ins Bröckeln. Initiativen sind gefragt, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Darüber waren sich am Freitag die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone, Gordan Dudas (Landtag) und Bürgermeister Dieter Dzewas sowie das Ärzte- und Dialyseteam der Nephrologischen Gemeinschaftspraxis am Buckesfeld einig. Dr. Christoph Mohler sowie seine Kollegen Dr. Dirk Meinke und Dr. Olaf Loke hatten die drei SPD-Vertreter eingeladen, nachdem es bei einem Lions-Abend in Meinerzhagen um den demographischen Wandel und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, gegangen war.

„Wir müssen dringend etwas tun, um die ärztliche Versorgung vor Ort zu gewährleisten. Dabei gilt es, nicht nur mit einzelnen Beteiligten zu sprechen, sondern ein Netzwerk aufzubauen“, warb Petra Crone um eine breite Basis. Dr. Dirk Meinke, der neuer Vorsitzender des Ärztenetzes MK-Süd ist, schlug in diesselbe Kerbe: „Wir haben vor, mit einer Anzeigenkampagne das Image unserer Region aufzupolieren.“ Dies wiederum nahm Bürgermeister Dieter Dzewas zum Anlass, auch auf das städtische Angebot hinzuweisen. „Wir bieten individuelle Stadtführungen für Interessierte an.“

Denn wenn jemand seinen Arbeitsschwerpunkt nach Lüdenscheid verlegen wolle, komme es auch darauf an, die Partner und Familie mit ins Boot zu nehmen.

In der Diskussion ging es auch darum, dass Ärzte, die sich niederlassen, heute eine andere Lebenseinstellung hätten, nicht mehr rund um die Uhr arbeiten, sondern auch Beruf und Familie besser vereinbaren wollten. Zudem seien rund 50 Prozent der Medizinstudenten weiblich. Hier seien ebenfalls die Lebensplanungen anders.

Arzthelferinnen-Auszubildende seien inzwischen auch schwer zu finden, erklärte Dr. Christoph Mohler: „Bekamen wir früher zehn bis zwölf Bewerbungen, sind es heute eine oder zwei.“ Dabei investiert die Gemeinschaftspraxis viel in die Aus- und Fortbildung. Denn der Personalbedarf in der Dialyse ist hoch. Neben den drei leitenden Ärzten – „ein vierter ist erwünscht“, betonen sie – sind vier Kräfte und eine Auszubildende für die ambulante Behandlung zuständig; 23 Gesundheits- und Krankenschwestern und sieben für die Dialyse kommen hinzu. Pro Quartal werden an 31 Plätzen 780 bis 850 Patienten behandelt.

Bluthochdruck, Diabetes und eine falsche Ernährung sind Ursachen für Niereninsuffizienz. Daher spiele Prävention eine große Rolle. Die demographische Entwicklung sorge dafür, dass auch die Nierenerkranken immer älter werden, aber auch pflegebedürftiger seien.

Zum Abschluss tauschten alle Beteiligten Visitenkarten aus. Sie wollen in Kontakt bleiben, um das Netzwerk zur künftigen ärztlichen Versorgung noch enger zu knüpfen, die bröckelnden Strukturen wieder zu festigen und darauf aufzubauen.

Von Martin Messy

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