Mehrgenerationenhaus soll selbstbestimmt bleiben

Wollen, dass das MGH am Duisbergweg seine Arbeit selbst bestimmen kann: (v.l.) Petra Crone, Erich Mürmann, Gerhard Lützenbürger und Karin Löhr.

LÜDENSCHEID - Wer zahlt, bestimmt: Nach diesem Motto will der Bund mit der jetzt angekündigten Anschlussfinanzierung in 500 Mehrgenerationenhäusern in Deutschland neue Aufgaben etablieren – das träfe auch das Haus in der Awo-Familienbildungsstätte am Duisbergweg. Geht es nach dem Familienministerium, würden hier – wie überall – ab 2013 ein Pflegestützpunkt, der Bundes-Freiwilligendienst und eine Integrationsstelle sitzen. Die Lüdenscheider SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone kämpft dagegen: „Jedes Haus soll weiter sein eigenes Programm fahren, maßgeschneidert für seinen Standort.“

So wie in Lüdenscheid. Hier hat sich seit der Gründung 2007 neben dem bunten Miteinander der Generationen und der Integrationsarbeit wie in der Hausaufgabenhilfe längst ein neuer Schwerpunkt etabliert: „Wir qualifizieren Ehrenamtliche, und das in vielen Bereichen“, sagt Karin Löhr, Leiterin der Awo-Bildungsstätte, in der das MGH seine Räume hat. Hier bringt eine Hotelfachfrau den Helfern alles in Sachen Service bei, hier werden Lesepaten für Schulen vorbereitet. Und: „Man muss auch für die Ehrenamtlichen da sein, ob als Berater oder im Gespräch von Mensch zu Mensch.“

Laut Awo-Betriebsleiter Gerhard Lützenbürger stellen diese Fortbildungen eine Zukunftsaufgabe dar: „Das Ehrenamt, auf das die Gesellschaft immer stärker angewiesen ist, wandelt sich. Es geht um kürzere, projektorientierte Arbeit statt lebenslanger Verpflichtungen. Und die Menschen erwarten, dass sie auf ihre Aufgaben vernünftig vorbereitet werden.“

Petra Crone hat unterdessen eine weitere Kleine Anfrage ans Familienministerium vorbereitet, denn laut dem Bund sollen auch die Städte die Finanzierung künftig mittragen. Crone will wissen: „Was heißt das, und gilt das auch für Nothaushaltsstädte wie Lüdenscheid?“ Denn denen sind neue freiwillige Leistungen verboten – laut Crone eine Existenzfrage: „Können sich diese Städte Mehrgenerationenhäuser noch leisten?“

Die Anschub-Finanzierung in Höhe von jährlich 40 000 Euro fließt für jedes Haus fünf Jahre lang, in Lüdenscheid also noch bis Herbst 2012. Crone will schon heute verhindern, dass es danach Projektruinen gibt. „Und dies ist ein Bundesprojekt.“

Zu den Nutzungen, die der Bund vorschreiben will, sagte Erich Mürmann, Vorsitzender des Awo-Unterbezirks: „Wir haben 560 000 Euro in diese Bildungsstätte samt MGH gesteckt, um unseren Standort und die Arbeit hier zu sichern – nicht, um dem Bund den Boden für neue Arbeitsfelder zu bereiten.“

Karin Löhr gab Crone noch die Bitte mit auf den Weg, den MGH-Bürokratismus eindämmen: Die Lüdenscheider Leiterin Sabine Bomm müsse heute die Hälfte der Arbeitszeit für Dokumentationen an die Vermittlungsstelle opfern.

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