Gefällte Bäume: Mehr als immer nur die Motorsäge

Lüdenscheid - „Sie rennen bei uns offene Türen ein.“ Nach den Diskussionen über umstrittene Fällungen von Bäumen in der Innenstadt hat der städtische Umweltfachmann Hans-Jürgen Badziura jüngst im Planungs- und Umweltausschuss ausführlich erklärt, dass Baumschutz in Lüdenscheid aus mehr besteht als aus dem Einsatz der Motorsäge.

Kernpunkt seiner Aussagen ist die Einschätzung der Pflegekosten vor dem Hintergrund der leeren Kassen. „Für die Neupflanzung und die Pflege der etwa 14.000 Bäume stehen jährlich 30 000 Euro zur Verfügung.“ Im vergangenen Jahr seien an 400 Großbäumen erhaltende Maßnahmen vorgenommen, aber auch Gefahrenbäume gefällt worden. Badziura machte deutlich, dass Wunsch und Wirklichkeit beim Baumschutz auseinanderliegen. „Der Finanzbedarf für baumerhaltende Pflegemaßnahmen liegt deutlich höher.“

Am Beispiel des Ahorns, der Mitte Mai im Rosengarten gefällt wurde, erklärte der Umweltexperte aus dem Rathaus, mit welchem Aufwand Baumschutz in Lüdenscheid betrieben werde. 2002 wurde der Rosengarten umgebaut. Der Abstand des Baumes zur Verkehrsfläche sei dabei bewusst vergrößert worden. Ein Jahr später habe es erste Hinweise auf „Trocknis im Kronenbereich“ gegeben. 2004 sei der Baum zur Vermeidung von Astbruch verseilt worden. Gleichzeitig seien Trocknis und Totholz beseitigt worden.

2009 sei eine sogenannte Spitzendürre durch eine erneute Totholzbeseitigung behoben worden. 2011 war die Verseilung zwischen den Hauptästen unter Spannung geraten, es drohten Ermüdungsbrüche. 2012 stellte die Stadt den Pilz fest. Am 27. Februar informierte Badziura den Ausschuss unwidersprochen über die geplante Fällung, knapp drei Monate später war der Tod des Ahorn besiegelt.

Für Fällungen sieht die Stadt laut Badziura stets Nachpflanzungen vor. So seien auf den künftigen Hohfuhrterrassen auf dem früheren Gelände der Kinderklinik beispielsweise 167 Bäume gefällt und 49 Nachpflanzungen veranlasst worden, zusätzlich ist ein finanzieller Ausgleich fällig.

An der Humboldt-Villa sind unter teils lautstarkem Protest acht Großbäume gefallen, 17 Nachpflanzungen auf dem Grundstück stehen jedoch bevor, vier große Bäume dort sind per Bebauungsplan geschützt, zusätzlich bezahlen die Investoren einen Ausgleich. - omo

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