Fußverkehrs-Check

Mehr Freiheit für Fußgänger: Stadt will Wende in Gang setzen

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Unterwegs in einem „Angstraum“: Die Unterführungen am Sauerfeld gelten vielen Bürgern als unsicheres Terrain. Besonders in den Abendstunden.

Lüdenscheid - Gut für den Planeten, gut für die Gesundheit und für die meisten gut machbar – Umweltfreunden und klimabewegten Stadtverwaltungen gilt die Rückbesinnung auf das Zufußgehen als wichtiges Puzzleteil einer Verkehrswende. Und als Chance zur Erhöhung der Lebensqualität in den Innenstädten.

Das Problem: Dominante Auto- und Asphaltwelten erschweren diesen Ansatz bisweilen ebenso wie diverse Fußgänger-Stolperfallen und „Angsträume“. Finden zumindest viele Bürger. 

Die Stadt Lüdenscheid will sich mit solchen Zuständen aber offenkundig nicht länger abfinden – und beteiligt sich daher am „Fußverkehrs-Check 2020“ (Info unten). 

Am Dienstagabend stand im Kulturhaus nun als erster Schritt des Projekts ein Auftakt-Workshop an, der rund 40 Bürger anlockte, alle wohl überzeugte Fußgänger. Nina Niggemann-Schulte vom städtischen Fachdienst Verkehrsplanung sowie Jörg Thiemann-Linden und Andrea Fromberg vom Kölner Verkehrsplanungsbüro Via erklärten das Vorhaben und seinen Ablauf. 

Das Via-Team soll den für Herbst anvisierten Check – er erstreckt sich grob auf den Stadtbereich zwischen Loher Wäldchen und Sternplatz – praktisch durchführen. Per Video bei der Veranstaltung kurz zugeschaltet: NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. Der warb so für den Plan: „Das Zufußgehen ist die gesündeste und klimafreundlichste Art der Fortbewegung.“ Allerdings sei „der Fußverkehr lange Zeit kein Thema der Verkehrsplanung gewesen“, wie Thiemann-Linden anmerkte. 

Wie auch immer, bei der Zusammenkunft im Kulturhaus konnten die Besucher zunächst Wünsche und Kritik aus Fußgängersicht äußern. Der Tenor dabei: Entlang der Verkehrsachsen zwischen Oberstadt, Sternplatz und Knapper Viertel stünden Fußgänger „zu weit unten in der Rangliste“. Die Gefahren durch die Vormacht der Automobile seien unübersehbar. Gerade rund um Kulturhaus, Sauerfeld, Freiherr-vom- Stein-Straße und Humboldtstraße. Dazu kämen fehlende Zebrastreifen und Querungshilfen, verdreckte Ecken sowie fußgängerfeindliche Ampelschaltungen. Und auch trübe Beleuchtung und klassische „Angsträume“ – wie etwa die Tunnel- und Treppen-Systeme zwischen den Bushaltestellen am Sauerfeld und zwischen Sauerland-Center und Forum am Sternplatz. Unzumutbar seien diese Verbindungswege, besonders für ältere Menschen. 

Ein Workshop-Teilnehmer drückte es schmunzelnd so aus: „Ich bin da für die radikale Lösung: Forum und Sauerland-Center sprengen und weg damit.“ Dazu wird es zwar nicht kommen. Zu zwei gemeinsamen Rundtouren von Bürgern, Lüdenscheider Verwaltungsmitarbeitern und Via-Mannschaft hingegen schon. 

Die Spaziergänge – einer rund 1,2 Kilometer, der andere 2,4 Kilometer lang – bilden auch das Herzstück besagten Fußverkehrs-Checks. Beide sind für den 22. September terminiert. Die kürzere Route führt dabei vom Sternplatz über Brighouse-Park, Paulinenstraße, Kulturhausgarten bis zum Rosengarten. Die längere hat zusätzlich noch die Hochstraße, das Loher Wäldchen, die Mittelstraße und den Staberg zum Ziel. Und vielleicht auch noch die Knapper Straße bis zur Christuskirche. Das jedenfalls wollen viele Bürger, die gerade dort Handlungsbedarf in puncto Fußgänger-Freundlichkeit ausgemacht haben. 

Bei einem Abschluss-Workshop am 12. November geht es dann um die bei den Touren gewonnenen Erkenntnisse, um ermittelte Mängel und um Vorschläge zur Beseitigung der Probleme. Für die Check-Rundgänge und die Workshops muss die Stadt dabei nichts zahlen. Die Kosten – darunter die Vergütung der Via-Akteure – übernimmt das Land. Anders sieht das bei einer späteren Umsetzung fußgängerfreundlicher Baumaßnahmen aus. Nina Niggemann-Schulte: „Das müssten wir zahlen."

Info
Bei dem Fußverkehrs-Check handelt sich um eine Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die von der Koordinierungsstelle „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ umgesetzt wird. Nach einer erfolgreichen Bewerbung gehört Lüdenscheid zu jenen zwölf NRW-Kommunen, die sich noch in diesem Jahr einem solchen Check unterziehen. Langfristiges Ziel: die Bedingungen für Fußgänger in der Stadt durch technisch-bauliche Eingriffe zu verbessern. Die Erhöhung von Sicherheit und Aufenthaltsqualität sowie der Abbau von Barrieren sind dabei die Stichwörter.

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