Krankheit muss gemeldet werden

Mehr Fälle im MK: Die Krätze ist zurück - in Kitas und Schulen

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Krätzemilben bohren sich unter die Haut

Lüdenscheid -  Scharlach, Kopfläuse, Hand-Fuß-Mund und Krätze sind nur einige Krankheiten, die in Kitas und Schulen gemeldet werden müssen. Dabei ist vor allem Krätze (Skabies) auf dem Vormarsch. 

Update: 12.20 Uhr Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe nennt Zahlen. 

Während es eine Zeit lang still um die Krankheit Krätze geworden war, sie jedoch niemals ganz verschwunden ist, scheint sie seit einigen Jahren zurückgekehrt und in der Bevölkerung gut vertreten zu sein.

„Krätze geht durch die Decke“, sagt Christian Ternette. Er ist zuständiger Amtsarzt für Infektionsschutz im Märkischen Kreis und Sachgebietsleiter des Bereichs Infektionsschutz und Trinkwasser. Nordrhein-Westfalen sei eine Krätze-Hochburg. In sieben Jahren hat sich die Zahl der Patienten im Bereich der Bezirksstelle Lüdenscheid (das betrifft den Märkischer Kreis, den Kreis Siegen-Wittgenstein und Olpe) verzehnfacht, wie den Zahlen der Kassenärzlichen Vereinigung zu entnehmen ist. Während es 2011 noch 541 Krätzefälle waren, wurden 2018 5825 Patienten gemeldet. In 2019 waren es bereits bis zum dritten Jahresquartal 4192 Fälle.

Krätze

Eine Ursache dafür kann er nicht benennen. Es könne nur spekuliert werden, ob dies mit einer Resistenzbildung zusammenhinge. Denn vor einigen Jahren sei der Befall von Krätze noch nicht so schlimm gewesen. Was Ternette als Grund jedoch definitiv ausschließen kann, ist mangelnde Hygiene. „Das Hauptproblem liegt eher in der Anwendung der Präparate, der Behandlung von Kontaktpersonen und einer verzögerten Diagnosestellung. Und das nächste Problem ist dann die Wiederansteckung, da es ein symptomloses Intervall im Krankheitsverlauf gibt. Um sich vor Krätze zu schützen, muss man das Krankheitsbild kennen, damit die Krankheit nicht als Allergie fehlgedeutet wird.“, sagt Christian Ternette.

Auch Kinderärztin Dr. Leonie Podszuk, Kinderarztpraxis am Sternplatz, hat den Eindruck, dass es in den vergangenen Jahren mehr Erkrankungen an Krätze gab. Allerdings würden sich solche Zunahmen im Verlauf der Zeit mit ruhigeren Zeiten abwechseln.

Christian Ternette, Amtsarzt Märkischer Kreis

Krätze breitet sich, ähnlich wie Läuse, dort aus, wo viele Menschen zusammenkommen. Das trifft zum Beispiel auf Schulen und Kindertageseinrichtungen, aber auch Altenheime zu. Dass gerade kleine Kinder schneller erkranken als Erwachsene – sowohl an Krätze als auch an anderen Krankheiten – erklärt Christian Ternette so: „Eine Tröpfcheninfektion erwischt alle. Für kleine Kinder ist jedoch neben dem noch nicht so ausgeprägten Immunsystem auch die Schmierkomponente ein Problem, da besonders kleine Kinder viel umarmen, schmusen und küssen und alles in den Mund nehmen.“

Bei Krätze ist ein mindestens fünf- bis zehnminütiger enger Körperkontakt oder der Tausch frisch getragener Wäsche relevant. Eine Immunität gegenüber Krätze gibt es nicht. Bei Kindern, bei denen der Verdacht auf Krätze besteht, sollte die Haut beobachtet werden. Betroffene Kinder würden mindestens einmalig mit Salbe oder einem oralen Medikament behandelt und dürfen erst nach durchgeführter Erstbehandlung wieder in die Kindertageseinrichtung beziehungsweise die Schule. Während noch bis vergangenes Jahr die Bestätigung des Arztes nötig war, dass keine Ansteckungsgefahr mehr vom Kind ausgeht, reicht es nun aus, dass die Eltern der Einrichtung die durchgeführte Behandlung bestätigen.

Für die Einrichtung sei es sinnvoll, Gegenstände, mit denen die betroffenen Kinder länger und enger in Kontakt kamen, wie Handtücher, Textilien in Leseecken oder Schlafräumen oder Verkleidungskisten, bei mehr als 60 Grad zu waschen oder in Plastiksäcken verpackt 72 Stunden bei mindestens 21 Grad zu lagern, wie es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts heißt. Als Faustregel gilt: Die Milbe muss verdurstet sein.

Kopfläuse 

Nicht ganz so dramatisch wie Krätze sei der Kopflausbefall. „Kopfläuse sind im Gegensatz zu Krätze kein großes Problem. Die Läuse bemerkt man relativ schnell, da sie gut zu erkennen sind“, sagt Ternette. Und auch bei der Hand-Fuß-Mund-Krankheit und Scharlach gebe es in der letzten Zeit keine ungewöhnliche Zunahme an Krankheitsfällen. Wenn Läuse auftreten, sollten die Eltern die Haare der Kinder kontrollieren und sie gegebenenfalls ärztlich untersuchen und behandeln lassen. Kinder dürfen unmittelbar nach der ersten von zwei Behandlungen wieder in die Einrichtung. Die Eltern erklären der Einrichtung gegenüber schriftlich die durchgeführte Behandlung.

Scharlach 

Sowohl Krätze, Kopfläuse als auch Scharlach müssen von den betroffenen Personen nicht direkt beim Gesundheitsamt gemeldet werden, jedoch bei Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen. Diese dürfen in der Zeit der Erkrankung auch nicht besucht werden. Die Gemeinschaftseinrichtung hat eine Meldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt. Bei Scharlach kann 24 Stunden, nachdem die Einnahme des Antibiotikums begonnen wurde, die Einrichtung wieder vom betreffenden Kind besucht werden, sofern dieses beschwerdefrei ist, erklärt Dr. Leonie Podszuk.

Hand-Fuß-Mund 

Für die Krankheit Hand-Fuß-Mund bestehe hingegen weder eine Melde- noch eine Wiederzulassungspflicht laut Infektionsschutzgesetz. „Die erkrankten Kinder sollten jedoch ebenfalls bei Halsschmerzen, Fieber oder Bläschen – vor allem, aber nicht ausschließlich, an Händen, Füßen und Mund – ärztlich untersucht werden. Die Kinder dürfen wieder in die Einrichtung, wenn die Bläschen abblassen und kein Fieber mehr besteht“, sagt Dr. Leonie Podszuk.

Kleinere Kinder erkranken generell nicht nur schneller, weil sie mehr Körperkontakt haben. Das ist auch darin begründet, dass sie noch keine Immunität haben. „Jede Auseinandersetzung mit Viren und Bakterien erzeugt Antikörper, die das Immunsystem nach und nach stärken. Nicht immer muss der Kontakt mit diesen Erregern eine spürbare Erkrankung hervorrufen, das Immunsystem arbeitet oft unterschwellig. Je weniger vorher gebildete Antikörper vorliegen, desto eher entsteht eine Erkrankung. Daher sind kleinere Kinder empfänglicher für manche Infektionen. Gleichzeitig stärken diese harmlosen Infektionen das Immunsystem der betroffenen Kinder, ähnlich wie bei schwerwiegenderen Infektionen Impfungen“, erklärt Dr. Leonie Podszuk.

Mehrere Fälle von Tuberkulose (TBC) in Lüdenscheid beschäftigten zuletzt ebenfalls die Behörden. Für Fälle von Coronavirus ist man im Klinikum Lüdenscheid gewappnet. 

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