Dreiste Plagiate aus China

Mehr Cash als mit Koks: Lüdenscheider Firma wird Opfer von Produktpiraten

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Dreiste Kopie: Links der Original-Präsenzmelder, rechts das Plagiat.

Lüdenscheid/Frankfurt – Alle zehn Auszeichnungen des Schmähpreises „Plagiarius 2019“ sind auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main an chinesische Nachahmer verliehen worden. Opfer der Produktfälscher wurde auch eine Lüdenscheider Firma.

Mit Produktfälschungen lasse sich mehr Geld verdienen als im Kokainhandel, und das bei niedrigerem Entdeckungsrisiko und nur geringem Verfolgungsdruck, sagte der Direktor des Zentrums für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien der Universität Osnabrück, Arndt Sinn,bei der Verleihung an die abwesenden Negativpreisträger.

Europol schätze die Umsatzeinbußen im EU-Raum allein durch gefälschte Kleidung auf 43 Milliarden Euro, sagte Sinn. Dies entspreche der Vernichtung von 518.000 Arbeitsplätzen, den Staatshaushalten gingen acht Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren. 

Nur chinesische Firmen unter den zehn Preisträgern

Der erste Preis des „Plagiarius 2019“ wurde der chinesischen Firma Ningbo ACME Industrial Automation verliehen. Sie habe ein ganzes Produktprogramm der Firma Bürkert-Werke im baden-württembergischen Ingelfingen kopiert, kritisierte Busse. Beispielhaft dafür stehe ein Dampfventil, das in der Textilbranche, Medizintechnik und Pharmazie eingesetzt und in 56 Ländern vertrieben wird. 

Hier geht es zu allen Plagiats-Preisträgern

Zu den zehn „ausgezeichneten“ Plagiaten gehört auch ein Produkt der chinesischen Firma Hefei Ecolite Software Co., Ltd, die sich des Präsenzmelders KNX des Lüdenscheider Schalter-Herstellers Busch-Jaeger annahm.

"Würdigung" für den Negativpreisträger

In der „Würdigung“ der Plagiarius-Jury heißt es: „Design und Funktion wurden plump eins zu eins kopiert, allerdings ist das Plagiat leistungsschwächer und hat einen kleineren Erfassungsbereich.“ Das Vorgehen der Produktpiraten ist umso dreister, als dass Busch-Jaeger das Design nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch in China schützen ließ. Laut Homepage der Lüdenscheider hat der Original-Präsenzmelder KNX eine Reichweite von 12 Metern. 

Mit der Erfassung von Bewegungenkann der Präsenzmelder für Licht- und Klimasteuerung eingesetzt werden. Die Sensoren erfassen die kleinste Bewegung, so erleben auch sitzende Personen immer die bestmögliche Lichtstimmung. Als reiner Melder mit integrierter Überwachungsfunktion sorgt er zudem „unauffällig für Sicherheit“. 

Der von dem Verein Aktion Plagiarius verliehene Negativpreis soll die Geschäftspraktiken von Produktpiraten und Markenfälschern anprangern und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren. 

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