Aller Anfang ist schwer

"Mehr Blumenschmuck" für die Lüdenscheider Innenstadt

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Manchmal muss man klein anfangen: Zwei Blumenampeln bringen etwas Farbe in die Steinwüste Rathausplatz.

Lüdenscheid - „Pflege des Stadtbildes“, nennen es Planer und Gestalter. „Mehr Aufenthaltsqualität“ wollen Gastronomen und Händler für ihre Kunden. Peter Biernadzki bringt’s auf den Punkt: „Ich wünsch’ mir auch was fürs Auge.“

Doch bunte Blumen passten nicht ins Stadt-Konzept, hat der ehemalige Kommunalpolitiker schon mehrfach gehört. Noch gibt er nicht auf, zumal die Diskussion um Stadtgestaltung in Theorie und Praxis an Fahrt gewinnt.

„Schön hier! – das Gefühl fehlt mir“, sagt der frühere Ratsherr der Lüdenscheider Liste. Also hängt er schon mal ein paar Blumenampeln ans schlicht-moderne Geländer vorm Gewerkschaftshaus, die dann irgendwann wieder verschwunden sind. Tupfer fürs Auge und für die Seele seien bunte Blumen, findet er und hat nur ein Wort für den Rundumblick über den Rathausplatz: „Trostlos.“

Beim Gang durch Alt- und Innenstadt fallen hier und dort Versuche auf, mehr Farbe in die Straßen zu bringen. Bündnis 90/Die Grünen pflegen ein größeres Beet an der Ecke Schillerstraße; Geschäftsleute in der Oberstadt übernehmen schon mal die Patenschaft über ein Blumenrondell oder eine kleine Grünanlage, damit’s ansprechend aussieht.

Hier stehen bepflanzte Kübel, dort hängt ein Lokal Blumenampeln vor die Tür. Die Awo stellt an der Marienstraße Blumenkästen ins Fenster; blumengeschmückte Tischchen laden zum Verweilen ein. Auf der Wilhelmstraße blühen vereinzelt Topfmargeriten vor Ladeneingängen, Richtung Knapp Geranien und Beetpflanzen. Blumen begleiten den schlendernden Kunden.

Direkt im Zentrum allerdings dominieren Granit und Platanen, Beton und Kübelgrün, Tische, Stühle, Palmgewächse. Jahrzehnte ist es her, dass rund ums Rathaus gepflegte Beete angelegt waren, dass Bänke in Blumenrabatten zum Verweilen einluden.

In anderen Städten gebe es Blumenpyramiden oder Blumenkränze an den Laternen, fällt Peter Biernadzki immer wieder auf. Hier: „Nix!“ Dabei stehe in der Satzung nicht: „Blumen sind verboten.“

Also trommelt er weiter für ein stärkeres Blumenbewusstsein, wohl wissend, dass nicht nur Vandalismus ein Problem ist, sondern auch die Pflege – und sei es regelmäßiges Gießen wie bei den hochsommerlichen Temperaturen vergangener Woche.

Die Gestaltungssatzung für Altstadt und Wilhelmstraße befasst sich kurz und knapp mit Grün. Koniferen sind nicht zugelassen, auch nicht als Hecke. Unbefestigte Flächen sind gärtnerisch zu gestalten und zu unterhalten. Und: „Gastronomiebetriebe können auf den Flächen der Außengastronomie je nach örtlicher Situation bis zu sechs Blumenkübel aufstellen. Diese müssen einheitlich gestaltet sein. Als Materialien sind Ton- oder Metallgefäße zulässig. Ausnahmsweise können Kunststoffgefäße zugelassen werden.“ (§11, Absatz 5).

„Mehr Blumenschmuck“ steht jedenfalls ausdrücklich auf der Wunschliste der Händler und Gastronomen, die sich inzwischen organisiert um mehr Gestaltungsfreiheit in ihrem Sinne in der Innenstadt bemühen.

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