Medizinstipendien: „100 Arztjahre eingekauft“

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Märkischer Kreis - „Sorgenfrei studieren und im Gegenzug fünf Jahre als Arzt oder Ärztin im Märkischen Kreis arbeiten“ – mit diesem Slogan wird seit 2015 das Medizinstipendium beworben. Mit Erfolg, sagt Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz beim Kreis.

„Mit 20 Stipendiaten kaufen wir 100 Arztjahre ein.“ Vor fünf Jahren starteten CDU und SPD eine politische Initiative, um die ärztliche Versorgung in diesem Raum zu verbessern. Gegen den Widerstand von FDP, UWG und Linken startete das Projekt im Wintersemester. Jährlich wird das Stipendium an vier Medizinstudenten für maximal vier Jahre vergeben. Anschließend müssen die Absolventen fünf Jahre im Kreis medizinisch tätig sein. 

Das Gesamtvolumen setzte die Mehrheit auf 480.000 Euro fest. Im kommenden Jahr stehen die Fraktionen vor der Frage, ob diese Linie weiter verfolgt wird. Volker Schmidt sieht den Kreis mit dieser Aktion auf dem richtigen Weg – aus zwei Gründen. 

Überraschender Marketing-Effekt

Neben dem fachlichen Aspekt habe das Stipendium auch zu einem überraschenden Marketing-Effekt geführt. „Überregionale Magazine und Tageszeitungen haben das Thema aufgegriffen.“ Überregional sei auch die Liste der Bewerber. „Viele deutsche Studenten sind zum Beispiel an Universitäten in Ungarn eingeschrieben, weil sie hier den Numerus clausus nicht erfüllen, aber trotzdem fachlich sehr gut sind. 

Die Kandidaten stehen zwar nicht Schlange, aber acht bis zwölf angehende Ärzte bewerben sich jedes Jahr auf die vier zu vergebenden Stipendien.“ Voraussetzung ist, dass die Studierenden der Humanmedizin das Physikum bereits bestanden haben. „Dann ist der schwere theoretische Teil geschafft.“ Im Gegenzug verpflichten sie sich, mindestens fünf Jahre ärztlich im Kreis tätig zu sein. Das spätere Einsatzgebiet spielt bei der Auswahl keine Rolle. 

Der rote Teppich für den medizinischen Nachwuchs

Nach erfolgreicher Ablegung der 3. Ärztlichen Prüfung können sie entweder ihre Weiterbildung zum Facharzt im Märkischen Kreis absolvieren oder beispielsweise an einem Krankenhaus, als angestellter Arzt in einer Vertragspraxis, in einem Medizinischen Versorgungszentrum oder als Arzt bei der Gesundheitsbehörde des Märkischen Kreises erste Berufserfahrungen sammeln. 

Die ersten drei Mediziner haben ihr Studium inzwischen erfolgreich beendet und eine Anstellung bei den Märkischen Kliniken gefunden. „Auch Krankenhäuser rollen dem medizinischen Nachwuchs den roten Teppich aus.“ Die angesetzte Fördersumme wird nach Angaben des Fachbereichsleiters gar nicht ausgeschöpft. Werde das Stipendium erst im neunten Semester gewährt, fallen die Zuschüsse entsprechend geringer aus. Voraussichtlich bleiben etwa 40.000 Euro im Topf. 

"Wir setzen auf den Klebeeffekt"

Ausgewählt werden die Stipendiaten von einer Jury aus Vertretern der Krankenhäuser, der kassenärztlichen Vereinigung und der Verwaltung. „Wir haben überwiegend sehr gute Bewerbungen vorliegen.“ In einem Fall war die Vita sogar zu gut. 

Das Physikum hatte der Aspirant mit der Note eins abgelegt, legte der Bewerbungsmappe sein absolviertes Studium der Betriebswirtschaft bei und hatte nebenher noch Start-ups in den USA gegründet. „Der bleibt nicht länger als nötig hier“, erinnert sich Schmidt an die einhellige Jury-Meinung. Deshalb werden doch bodenständigere Menschen bevorzugt. „Wir setzen auf den Klebeeffekt nach fünf Jahren Tätigkeit.“ 

Im Januar wird die – vorläufig – letzte Ausschreibung erfolgen. Die erscheint auch an den „digitalen schwarzen Brettern“ der Uni. „Die Ankündigung zieht so weite Kreise.“ Für Volker Schmidt steht fest, dass der Ärztemangel allein durch Stipendien nicht behoben werden kann. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber einer mit Signalwirkung. Die Reaktionen sind durchweg positiv.“

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