Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck diskutiert mit heimischen Gemeindemitarbeitern

St. Medardus hinkt hinterher

Zum Abschluss des Gespräches versammelten sich die Teilnehmer aus dem Kreisdekanat und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zu einer Andacht in der Kapelle des Seniorenzentrums Haus Elisabeth.

Lüdenscheid - Der neue Veränderungsprozess, der im Bistum Essen ansteht, wird eine große Herausforderung für alle Pfarreien und damit vor allem für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Das betonte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck bei einem Gespräch mit ehrenamtlich engagierten Katholiken im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid.

Die Sprecher des Kreiskatholikenrates Stefan Kemper (Altena) und Barbara Vormann (Halver) sowie Kreisdechant Patrick Schnell (Plettenberg) freuten sich, dass Vertreter fast aller Pfarreien im Kreisdekanat der Einladung ins Haus Elisabeth nach Lüdenscheid gefolgt waren, um im Gespräch mit dem Bischof ihre Anliegen und Bedenken in Bezug auf die anstehenden Sparmaßnahmen vorzubringen.

Zu Jahresbeginn hatte das Bistum Essen Einsparziele formuliert und die Pfarreien aufgefordert, bis 2017 Ideen und Konzepte zu entwickeln, wie diese erreicht werden können. In den meisten Pfarreien im Kreisdekanat, so wurde in dem Gespräch laut einer Pressemitteilung des Dekanats deutlich, wurden bereits erste Schritte unternommen und entsprechende Gremien gebildet, die Konzepte entwickeln sollen. Nur St. Medardus in Lüdenscheid hinkt noch hinterher, was dem Wechsel an der Spitze der Pfarrei geschuldet sei. Am 19. September wird der neue Pfarrer Andreas Rose als Nachfolger von Johannes Broxtermann eingeführt.

Dass die anstehende Umstrukturierung schmerzliche Einschnitte mit sich bringen wird, sei allen Beteiligten klar, heißt es. Eine Sorge war jedoch, dass die Pfarreien Pläne schmieden und in den Gemeinden kommunizieren, diese aber später vom Bistum nicht akzeptiert würden, weil es möglicherweise schon andere Konzepte in der Schublade gebe. Overbeck versicherte, dass dies nicht der Fall sei und er auch niemanden beauftragte habe, solche Pläne zu entwickeln.

Jetzt seien einzig die Pfarreien am Zug. Die Einsparungen seien angesichts sinkender Bevölkerungszahlen und vor allem sinkender Zahlen von Katholiken unausweichlich. Im Gegensatz zu anderen Bistümern verfüge Essen nicht über ein großes Kapital. Aber auch, wo es das gebe, sei „die Seelsorge nicht lebendiger, seien die Gläubigen nicht aktiver“, sagte der Bischof und stieß damit auf offene Ohren bei seinen Zuhörern.

So drehte sich das Gespräch weniger um Zahlen und Geld als vielmehr darum, wie die Pfarreien, Gemeinden und die katholische Kirche insgesamt für die Menschen interessant und attraktiv bleiben und es auch wieder werden können. Dass sie sich mehr an die Lebenswirklichkeit der Menschen im 21. Jahrhundert anpassen müssen und damit vielleicht auch weniger auf traditionelle Vorstellungen pochen sollten, war ein Aspekt, der diskutiert wurde. Konkret angesprochen wurden die Gottesdienstzeiten oder die Art, Gottesdienste zu feiern.

Overbeck ermunterte die Katholiken in der „Diaspora“ des Sauerlandes, die Ökumene zu pflegen, „weil wir als Christen so wenige werden, dass die anderen sowieso nicht verstehen, was uns trennt. Dass wir an Gott glauben, dass das mit Christus zu tun hat, ist viel wichtiger.“

Ein wichtiges Anliegen, das beispielsweise Klaudia Grobel (Werdohl-Neuenrade), im Kreiskatholikenrat Referentin für das Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid, formulierte, war, die Ehrenamtlichen nicht mit der Verantwortung im Veränderungsprozess zu überfordern, insbesondere dann, wenn es darum gehe, unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen. Das könne zur Folge haben, viele Engagierte zu verlieren.

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