Pralles Leben aus dem Allgäu

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Der Kabarettist Maxi Schafroth trat gestern mit dem Gitarristen Markus Schalk im Wettbewerb um die Lüsterklemme an.

Lüdenscheid -  Im Allgäu ist vieles ein bisschen anders als im Sauerland oder doch nicht so anders? Die Faszination seiner Heimat schilderte der Kabarettist Maxi Schafroth am Donnerstagabend im Kulturhaus. Unterstützt wurde er bei den zahlreichen Gesangseinlagen von dem Gitarristen Markus Schalk.

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Wer die Welt des Maxi Schafroth verstehen will, muss Grundkenntnisse vom Leben auf dem Lande haben: „Ein paar Dinge setze ich voraus“, machte der sympathische Spaßvogel eingangs deutlich. Und erzählte von einer Welt, wo Männer noch sparsam mit Grüßen und dem gesprochenen Wort umgehen. „Der allgäuische Stammtisch – das heißt zwei Stunden Schweigen. Probieren wir es aus. Ja, Sie müssen sich schon erkundigen, wofür Sie hier Eintritt zahlen!“

So kam es natürlich nicht – eher erwies sich Maxi Schafroth als ein unversiegbarer Quell unendlicher Wortkaskaden, aus denen irgendwie das Leben in Stephansried hervorschien. Das war manchmal anstrengend. Klar war: Der Mann hat sich seinen Ausbildungsplatz nach glasklaren Erwägungen besorgt: „Es gibt in Deutschland keine IHK-Grundausbildung für Kabarett, aber die Bankausbildung kommt dem am nächsten.“

Ein wichtiger Schritt, um nicht als maulfauler Bauer im dörflichen Niemandsland zu enden, doch verglichen mit dem städtischen Leben seiner Yuppie-Freunde Silke und Jörn in München lieferte Maxi Schafroth geradezu eine Liebeserklärung für das Land. Die Städter waren Zielscheibe gnadenlosen Spottes, und wenn sie so wären, wie die Beiden zu sein scheinen, hätten sie das auch verdient. Mögen die ländlichen Eingeboren auch noch so durchgeknallt sein: Irgendwie ist es auf dem Lande besser.

Da war es nur konsequent, dass der Comedian sein Lüdenscheider Publikum schließlich dazu bewog, ein grandioses Konzert anzustimmen: Es muhte und grunzte, bellte und miaute, und irgendwie war dieser Moment gemeinschaftlicher Verwandlung eines ganzen Publikums wohl der größte dieses ziemlich schrägen Kabarettabends.

„Wir haben Führungskräfte und sind eine wunderbare Herde“, freute sich Schafroth über die starke Beteiligung an dieser Werbung für das „ländliche Wertesystem“. So war es ein durchaus merkwürdiger Abend mit skurrilen Geschichten, aber es gab etwas zu lachen und dazu sind solche Abende ja da. - thk

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