Viele Fragen, keine Antworten

Brandschutzmängel am Klinikum Lüdenscheid: Mauern des Schweigens

+
Die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid-Hellersen. Nach Brandschutzmängeln muss der Betreiber nun eine Brandsicherheitswache stellen. 

Lüdenscheid – Offensichtlich schwere bauliche Mängel haben im Klinikum Hellersen zu Konsequenzen geführt. Um die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten, wurde eine Brandwache angeordnet. Das Klinikum schweigt. 

  • Aufgrund von Brandschutzmängeln am Klinikum Hellersen hat die Stadt Lüdenscheid den Betreiber zum Handeln aufgefordert
  • Angeordnet wurde eine Brandsicherheitswache
  • Welche Folgen das hat: Dazu schweigen Klinikum und Stadt 

Weil der Brandschutz in dem 34 Jahre alten Hauptgebäude nicht mehr ausreichend gewährleistet war, hat der Fachdienst Bauordnung der Lüdenscheider Stadtverwaltung verfügt, dass rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche sechs ausgebildete Feuerwehrleute für eine Brandsicherheitswache im Einsatz sind. Der Vorgang wirft sowohl bei Patienten und Besuchern als auch bei Beschäftigten des Klinikums Fragen auf. 

Wie lange sind die Mängel schon bekannt? 

Darüber schweigen die Verantwortlichen in Hellersen. Aus den Reihen des Aufsichtsrates der Märkischen Kliniken GmbH wurde jedoch bekannt, dass Gespräche über bauliche Korrekturen zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben seit mindestens einem Jahr laufen. Wie zu erfahren war, haben mehrere Gutachter unterschiedliche Einschätzungen zum Brandschutz geäußert. 

Wann hat die Stadt die Auflagen verfügt? 

Aus der Pressestelle des Rathauses gibt es dazu grundsätzlich keine Antworten. Stadtsprecher Sven Prillwitz wörtlich: „Wegen des laufenden bauordnungsrechtlichen Verfahrens erteilen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte.“ 

Klar ist nach Recherchen unserer Redaktion, dass die Stellenausschreibung für die insgesamt zwölfköpfige Brandsicherheitswache der Kiersper Firma Supprimo feuerwehr-intern ab 5. Dezember in verschiedenen WhatsApp-Gruppen kursierte und fast zeitgleich auf der Internetseite von Supprimo veröffentlicht wurde. 

Welche konkreten Maßnahmen müssen erfolgen?

Auch hierüber gibt es weder aus der Klinik-Geschäftsführung noch aus dem Rathaus Informationen. In Fachkreisen ist davon die Rede, dass in Technikräumen in Untergeschossen des Klinikums Wände nicht bis zur Raumdecke hochgemauert sind, was bei einem Feuer zur „Durchzündung“ von einem Raum in den nächsten führen kann. 

Erstmeldung: Brandschutzmängel am Klinikum Lüdenscheid: 24/7-Bewachung erforderlich

Über den Kostenaufwand für bauliche Korrekturen oder Fristen, binnen derer die Brandschutzbestimmungen erfüllt sein müssen, herrscht Stillschweigen. Allerdings war aus gut informierten Kreisen zu erfahren, dass Mittel für den Brandschutz in Hellersen im Wirtschaftsplan 2020 vorgesehen und bereits bewilligt wurden. Das Gesamtinvestitionsvolumen soll mehrere Millionen Euro betragen. 

Welche Auswirkungen hat die Anordnung einer Brandsicherheitswache auf den Klinikbetrieb? 

Erstaunlicherweise gibt es auch dazu aus dem Klinikum keine klare Antwort. Denn: Nach Informationen unserer Zeitung betreffen die akut beanstandeten Mängel keine Räume, in denen Patienten untergebracht sind oder untersucht und behandelt werden. 

Dennoch drückt sich das Klinikum vor einer Entwarnung, was eher dafür spricht, dass es darüber hinaus doch Auswirkungen zu erwarten sind. Sichtbare Anzeichen für die Brandschutzmängel sind derzeit Mitarbeiter der externen Brandsicherheitswache, die sich im Gebäude aufhalten. Aus der Pressestelle heißt es aber lediglich: „Die geplanten Maßnahmen werden die Patientenversorgung nicht beeinträchtigen.“

 Im Geschäftsbericht 2018 wird deutlich, welche Auswirkungen möglich sind: „In Letmathe hatten die Modernisierungsmaßnahmen für den Brandschutz Auswirkungen auf die Leistungszahlen, da teilweise Stationen geschlossen werden mussten.“ 

Warum sind die Märkischen Kliniken beim Brandschutz so sensibel?

Die Märkischen Kliniken sind beim Brandschutz ein gebranntes Kind. So gab die geforderte Umsetzung des Brandschutzkonzepts dem Marienhospital Letmathe letztlich den Todesstoß. Dort hätten die Märkischen Kliniken 5,2 Millionen Euro in den Brandschutz investieren müssen. Das war für das ohnehin angeschlagene Krankenhaus zu viel: Das Marienhospital in Letmathe wurde vor wenigen Wochen geschlossen.

Unsere Fragen und die Antwort des Klinikums

Gibt es aktuell (13.12.2019) durch die beschriebenen Maßnahmen Auswirkungen/Beeinträchtigungen auf den laufenden Klinikbetrieb am Standort Hellersen? Wenn ja, welche? 

Seit wann sind professionelle externe Brandschützer zur Überwachung im Klinikum Hellersen eingesetzt? 

Wann (Datum) wurde die Brandsicherheitswache angeordnet? 

Wo (in welchem Gebäude, auf welcher Station) sind die professionellen externen Brandschützer eingesetzt? 

Hat die Bauphase des baulichen Brandschutzkonzepts schon begonnen? Mit anderen Worten: Werden bereits (Stand 13.12.2019) Bauarbeiten in Gebäuden des Klinikums durchgeführt? Wenn ja, wo und welche?

Gibt es einen noch nicht abgeschlossenen Rechtsstreit zwischen den Märkischen Kliniken und der Stadt Lüdenscheid im Bezug auf den Brandschutz? 

Antwort der Märkischen Kliniken: „Die geplanten Maßnahmen werden die Patientenversorgung nicht beeinträchtigen. Wie in der gemeinsamen Erklärung von Stadt und Kliniken erwähnt, wird der Brandschutz nach und nach angepasst. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir über die Erklärung hinaus keine weiteren Auskünfte geben.“

Neue Enthüllungen zum Brandschutz am Klinikum zeigen das ganze Ausmaß des Streits zwischen Stadt Lüdenscheid und Krankenhaus-Betreiber.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare