Mathildenstraße: Keine Stimme für den Ausbau

Zustand doch eigentlich ganz passabel? Die Anwohner der Mathildenstraße jedenfalls sehen offenbar wenig Handlungsbedarf.

Lüdenscheid - Wenn es um den sogenannten Endausbau Lüdenscheider Altstraßen geht, verlaufen die Fronten stets ähnlich: Die Stadt plant und baut, die Anwohner müssen zahlen – und gehen dagegen vergeblich auf die Barrikaden.

Mit dem angepeilten Ausbau der Mathildenstraße erlebt die Konfliktserie nun eine neue Runde. Das zeigte sich am Dienstag bei einer Bürgeranhörung. Und doch ist bei der geplanten Maßnahme manches anders als sonst.

Gut 50 Anwohner drängten sich an diesem Abend im Versammlungsraum des alten Telekomgebäudes, als eine Verwaltungsabordnung um Dieter Rotter, Lars Bursian und Holger Busch zur Erläuterung des Projekts ansetzte. Dabei räumte Dieter Rotter von der Abteilung Bauservice gleich zu Beginn ein, dass es längere Zeit in der Stadt keinen Endausbau von Altstraßen mehr gegeben habe.

Warum nicht? Weil die Kommune laut Rotter kein Geld hatte, um auch nur ihren geringen Eigenanteil der Ausbaukosten zu leisten. Und das ist jetzt anders? Ja, im Fall der Mathildenstraße und der angrenzenden Straßen ist das anders. Der Grund, so Rotter: Wegen der Denkfabrik und des Umbaus des gesamten Bahnhofsviertels kann die Stadt Fördermittel des Landes und Bundes anzapfen, die ihren zehnprozentigen Eigenanteil der Erschließungskosten größtenteils abdecken. 90 Prozent der abrechnungsfähigen Kosten würden indes unfreiwillig die Anwohner tragen. Sie müssten sich gemäß derzeitiger Schätzungen eine Summe von rund 675 000 Euro an Baukosten teilen – gestaffelt nach Grundstücksgröße und Bebauung. Der Betrag, der während der Versammlung ungenannt blieb, kann noch nach oben oder unten abweichen.

Inzwischen hat die Stadt ein Architekturbüro mit der Bauplanung beauftragt. Grob betrachtet soll die Mathildenstraße zwischen Friedhofstraße und Bahnhofstraße auf einem Abschnitt von 470 Metern ausgebaut werden. Ab Einmündung Karolinenstraße wäre sie dann in Fahrtrichtung Christuskirche Einbahnstraße. Vorgesehen sind außerdem eine neue Asphaltdecke, Gehwege, Baumpflanzungen und insgesamt 44 Stellplätze.

Die Anwohner jedoch sind mit dem aktuellen Zustand ihrer Straße ganz zufrieden. So das Stimmungsbild bei der Versammlung. Ein Bürger formulierte es so: „Man hat den Eindruck, dass die Stadt jetzt ihr Image als Universitätsstadt aufpolieren will und hier auf Kosten der Anwohner unnötigerweise eine Flaniermeile schaffen will.“

Und ein Anwohner wollte wissen, wer denn eigentlich für den Ausbau sei und initiierte spontan eine Abstimmung. Da hob sich im Saal keine Hand.

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