Protest spitzt sich zu

Kindergartenbeiträge: Kritik an geplanter Erhöhung

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Darinka Lutz (mit Sohn Julian), Yvonne Raue und Jennifer Sippel (v.li.) kritisieren die Kita-Beitragserhöhungen.

Lüdenscheid - Die Mütter Darinka Lutz (28), Jennifer Sippel (36) und Yvonne Raue (33) eint die Empörung über die geplante Erhöhung der Kindergartenbeiträge, und sie sind längst nicht allein damit.

Die Zahl der Unterstützer der Online-Petition steigt stetig und hat die 800er-Marke schon weit überschritten, und auch in der Kita 21-Gemeinschaft, der Interessenvertretung der Kinder und Elternschaft der Stadt Lüdenscheid, mehren sich die Proteste gegen die Anhebung der Elternbeiträge. Am Dienstag ab 17 Uhr berät der Jugendhilfeausschuss darüber, und dann dürfte der Ratssaal aus allen Nähten platzen. „Wir rufen dazu auf, zu der Sitzung zu kommen und sich gegen die Erhöhung zu wehren“, sagen sie. Nicht nur Eltern seien willkommen, sonder alle, denen die Familien in der Stadt am Herzen liege.

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„Überrumpelt“ fühlen sie sich von der angekündigten Erhöhung – in den nächsten drei Jahren um 27,9 Prozent. Der Wegfall eines „kostenfreien“ Geschwisterkindes – hier soll laut Verwaltungsvorlage ab dem 1. August ein Beitrag von 50 Prozent erhoben werden – kommt verschärfend hinzu. Selbst in den Kindertageseinrichtungen sei man nicht über diese Entwicklung informiert gewesen. „Bei den Anmeldungen für das kommende Kindergartenjahr war davon nicht die Rede“, sagt Yvonne Raue, die gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Das gilt auch für Jennifer Sippel. Beide sind Lehrerinnen, die eine 45-Stunden-Betreuung für ihre Kinder in Anspruch nähmen, um wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können. Aufgrund der Erhöhung und den damit verbundenen Kosten denken sie über eine Reduzierung auf 35 Stunden nach. Andere Mütter überlegten, sich eine Kinderfrau zu teilen. Eine solche Entwicklung gehe auch zu Lasten der Kitas. Erzieherinnen bangten um ihren Arbeitsplatz. Dabei werde doch immer die frühkindliche Bildung in den Kindergärten hervorgehoben. Außerdem werbe Bürgermeister Dieter Dzewas immer für eine familienfreundliche Stadt. „Daher haben wir zunächst gedacht, die Erhöhungen seien ein Scherz“, sagen sie. So könne es passieren, dass qualifizierte Mütter künftig zuhause bleiben oder die „Herdprämie“ beantragten. Es dürfe sich auch niemand wundern, wenn Familien in Nachbarstädte zögen, statt sich in Lüdenscheid niederzulassen, denn dort seien die Beitragssätze günstiger, hat Yvonne Rau bereits recherchiert.

„Wir sind nicht blauäugig und kennen die finanziellen Probleme der Stadt. Wir sind auch bereit, unseren Anteil zu leisten, aber nicht in diesem Ausmaß auf Kosten der Familien.“ 

Von Martin Messy

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