Drei Verletzte am Sternplatz

Massenschlägerei bei Kurden-Demo in Lüdenscheid - das Minutenprotokoll

Lüdenscheid – Es sollte eine friedliche Mahnwache gegen den türkischen Einmarsch in syrisches Kurdengebiet werden. Doch aus der Kundgebung wurde am Mittwochabend auf dem Sternplatz eine Eskalation der Gewalt. Das Minutenprotokoll. 

Kurdische Demonstranten und türkischstämmige Lüdenscheider fielen vor dem Lotto-Laden mit Fäusten übereinander her. Ein 50-jähriger türkischstämmiger Mann brach auf der Freitreppe vor dem Rathaus nach einem Messerstich in den Rücken zusammen. Rettungskräfte versorgten den schwer Verletzten am Tatort und transportierten ihn ins Klinikum. 

16.45 Uhr

Um 16.45 Uhr, eine Viertelstunde vor dem geplanten Beginn der Kundgebung, haben sich rund 150 kurdische Demonstranten auf dem Sternplatz versammelt. Erste Schmährufe gegen den türkischen Staatspräsidenten werden laut. Teilnehmer rufen „Du Hund!“ und nennen Erdogan „Terrorist“. Die Polizei ist nur mit wenigen Kräften vertreten. Polizeisprecher Dietmar Boronowski hatte am Dienstag gesagt, man rechne mit einem „friedlichen Verlauf“. 

Als Veranstalter Otto Ersching das Mikro übernimmt und die Menge zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit aufruft, findet er kaum Gehör. 

16.50 Uhr

Inzwischen ist eine Gruppe türkischer Gegendemonstranten vor dem Lotto-Laden aufgezogen, Männer schwenken rote Landesflaggen und skandieren „Türkiye, Türkiye“. Die Stimmung heizt sich weiter auf. Kurdische Redner ermahnen ihre Landsleute erfolglos zur Ruhe. Eine Frau ruft: „Die Türken sind keine Gegner!“ und „Wir Kurden halten zusammen“. 

17 Uhr

Um 17 Uhr – Linke-Vorsitzender Jupp Filippek will gerade zu seiner vorbereiteten Rede ansetzen – stürmen kurdische Aktivisten, zum Großteil jüngere Männer, plötzlich die Freitreppe und rennen auf die Gegendemonstranten zu. 

Kurdische Aktivisten gehen unmittelbar vor der Attacke auf die Knie.

Mehr Streifenwagen rasen heran, die Beamten versuchen zunächst erfolglos, die Parteien auseinanderzuhalten. Fäuste fliegen, eine wüste Schlägerei entbrennt.

17.10 Uhr

Jupp Filippek erklärt die Kundgebung nach einem kurzen Gespräch mit Polizisten als „offiziell abgebrochen“. Die Beamten rüsten sich teilweise mit Helmen und Schutzschilden aus. 

Im Getümmel liegt ein Mann blutend auf dem Boden. Bei dem Versuch, die Keilerei zu beenden, nehmen Einsatzkräfte einen Mann fest. Er wird von Beamten zu Boden geworfen und fixiert. 

17.15 Uhr

Die Demo löst sich nur zögerlich auf. Während der Verletzte erstversorgt wird, zerstreut sich die Menge auf dem Sternplatz. Die türkischen Gegendemonstranten verharren zum Teil vor dem Lotto-Geschäft. 

Türkische Demonstranten halten einen Angreifer fest. 

Eine Flagge der türkischen Rechtsextremisten „Graue Wölfe“ ist zu sehen. Und der Wolfsgruß. 

17.35 Uhr

Als die Lage sich endlich beruhigt, stehen Jupp Filippek und Otto Ersching mit einigen Parteifreunden am Fuß der Treppenanlage, die Lautsprecheranlage wird abgebaut. Filippek spricht in einer ersten Einschätzung davon, dass sich die kurdischen Demonstranten hätten sich „provozieren lassen“. 

Auch nach der Eskalation löste sich d

Die lautstarken Ermahnungen seien verhallt. „Keiner hat zugehört.“ Otto Ersching macht seiner Enttäuschung Luft. Mit solch einem Andrang und diesem Gewaltausbruch habe er nicht gerechnet. „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt.“ 

Erstmeldung zur Eskalation bei Kurden-Demo 

Gleichzeitig verlässt der Rettungswagen mit dem Verletzten die Innenstadt in Richtung Hellersen. Am Tatort bleiben eine Blutlache und Verbandsmaterial zurück.

Verletzte bei Kurden-Mahnwache in Lüdenscheid

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