Massengräber auf den Friedhöfen

Pfarrer Lothar Hellwig hielt eine Andacht bei den Kriegsgräbern auf dem evangelischen Friedhof, in deren Nähe drei Massengräber vermutet werden. Die Friedensgruppe möchte Gedenktafeln mit den Namen der russischen Soldaten errichten.

LÜDENSCHEID ▪ LÜDENSCHEID ▪ In Lüdenscheid starben auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs russische Kriegsgefangene – Soldaten, die nach der Befreiung des Stalag IV A in Hemer schwer krank in die Lazarette der Kaserne in Hellersen und am Baukloh gebracht worden waren.

135 von ihnen sind auf einem russischen Ehrenfriedhof im niederländischen Leusden bestattet. Weitere etwa 110 mit großer Wahrscheinlichkeit in Massengräbern auf dem katholischen und dem neuen evangelischen Friedhof in Lüdenscheid. Das ist das Ergebnis neuester Forschungen, die der niederländische Journalist Remco Reiding, der als Auslandskorrespondent in Moskau lebt, angestoßen und mit dem Lüdenscheider Historiker Matthias Wagner fortgeführt hat.

Am Samstag berichtete Reiding auf Einladung der Friedensgruppe im CVJM- Heim Mathildenstraße über seine Forschungen und das Anliegen der Stiftung „Russiches Ehrenfeld“. Neben Reiding waren Alex Engbers und Hayo Bootsma als weitere Vorstandsmitglieder der Stiftung dabei. Sie bieten an, ein Grab in Leusden zu adoptieren, um mit 50 Euro jährlich Reisen von Angehörigen der Soldaten an das Grab ihres Großvaters, Vaters oder Bruders zu ermöglichen. Denn wie Reiding wiederholt sagte: „Der Krieg ist nicht vorbei“, solange Familien nicht wissen, was aus ihren Angehörigen geworden ist.

Das Anliegen sei fern von jeder Schuldzuweisung, es gehe ausschließlich um Versöhnung und darum, für die Menschen, die noch Angehörige vermissen, ein Ende des Krieges herbeizuführen. Matthias Wagner ergänzte, dass das Gedenken an Kriegstote insgesamt lange eine nationale Angelegenheit gewesen sei, aber in einer globalisierten Welt könne internationales Gedenken einen Beitrag zum Frieden leisten.

1998, als 22-Jähriger, hatte Reiding den Ehrenfriedhof in Leusden auf Anregung des Redakteurs Alex Engbers erstmals besucht. Es ließ ihn nie wieder los. Inzwischen hat er die ersten Angehörigen in der ehemaligen Sowjetunion ausfindig gemacht und einige besuchten bereits die Gräber. Irgendwann stieß Reiding bei seinen Forschungen auf das „Gedenkbuch der Stadt Lüdenscheid für die Opfer von Diktatur und Krieg.“ Und die Namensliste, der bis dahin bekannten Verstorbenen, die die Friedensgruppe ins Internet gestellt hatte. So kam der Kontakt zustande. Wagner erfuhr von Reiding, dass in den 1960er Jahren Aktualisierungen in den Sterbebüchern der Stadt erfolgt waren – bislang hatte er seine Recherchen im Jahr 1948 beendet. So fand er rund 200 Namen toter russischer Soldaten. Schließlich entdeckte Wagner durch Zufall im Archiv der katholischen Pfarrei einen knappen Hinweis darauf, dass 1945 41 Russen in einem Massengrab auf dem katholischen Friedhof bestattet wurden. Eine Suche im evangelischen Kreiskirchenamt brachte einen Hinweis auf drei Massengräber auf dem evangelischen Friedhof, allerdings ohne Angabe der Nationalität der Toten. Das war während der britischen Besatzungszeit. Die Amerikaner ließen alle toten Alliierten in die Niederlande bringen, nach Margraten. Die Russen wurden später nach Leusden umgebettet.

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