Maskentheater verarbeitet szenisch die Euthanasie-Ausstellung

In kleinen Szenen wurde das Ausstellungsthema aufgearbeitet.

Lüdenscheid - Verzerrt, deformiert, skurril, liebenswert waren die „Hauptpersonen“ des in die Tiefe gehenden Maskenspiels in der Kulturwerkstatt Alte Schule. Eine beeindruckende Uraufführung oder „Weltpremiere“ wie Theaterpädagoge Thomas Wewers es nannte, die als Beitrag zur Ausstellung „Leben in Lüdenscheid - Menschen mit Behinderung damals und heute“ lief.

Qualitativ hohen Standard bot die szenische Verarbeitung des Ausstellungsthemas, geordnet nach gewählten Oberbegriffen wie „Produktivität“, „Lifestyle“ oder „Stempel aufdrücken“. Deshalb rückten szenisch gelegte Inhalte bedrückend nahe. Dankbar nahm das tief beeindruckte Publikum die komischen Momente des einen oder anderen Zwischenspiels auf.

Harmloser Beginn einer Szene: Einmal auf einem Podest um die eigene Achse drehen. Einteilung in drei Gruppen. Langsam kroch die Erkenntnis in Bewusstsein, dass es sich hier auch um eine Selektion handeln könnte. Zwei der Masken nahmen einander an der Hand, eine deutete Zittern an. Wenig später erfolgt der Befehl, sich in Gang zu setzen. Was dann noch im Dunkel zu vernehmen war: Drei Schüsse als lautliches Symbol, für das, was vor 75 Jahren mit einem Erlass Hitlers begann. Die gezielte Selektion sowie Tötung oder Zwangssterilisierung Behinderter im Dritten Reich. Bezogen auf den Titel der Ausstellung im Bürgerforum berührte dies den Aspekt „Sterben in Lüdenscheid“ oder zumindest „Selektiert in Lüdenscheid“ und wirft Fragen nach handelnden Personen, gesellschaftlichem Klima, Widerstand und Ergebung auf.

Mitten in der Lebenswirklichkeit unserer Tage zeigte die Szene „Lifestyle“, wie sehr Statussymbole, siehe jüngste Handygeneration, angesagte Markenklamotten, Frisur oder Ähnliches dazu geeignet sind, über andere zu urteilen, sie auszuschließen. Kritischer Anwurf: Ein Nichtraucher zerstört die Zigarette seines Kumpanen. Der läuft davon, und schon kramt der passionierte Freund frischer Luft in seiner Tasche nach einer Flasche mit hochprozentigem Inhalt. Ein Obdachloser sitzt auf einer Parkbank neben einer Frau, die sich zur Brotzeit niedergelassen hat, bittet um etwas Essen. Er erntet brüske Ablehnung. Auch das ist Alltag. - usc

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