Lüdenscheider Lüsterklemme mit Martin Fromme

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Martin Fromme stellte in der Garderobenhalle des Kulturhauses sein Programm „Besser Arm ab als arm dran“ vor.

Lüdenscheid - „Der Unterschied zwischen einem Pfannkuchen und einem Epileptiker? Der Pfannkuchen liegt in Zucker und Zimt, der Epileptiker liegt im Zimmer und zuckt“ – Witze, für die man einen Kabarettisten nach zwei Minuten von der Bühne gezerrt hätte.

Aber einer darf das: Martin Fromme gastierte im Kulturhaus. Fromme fehlt von Geburt an der linke Unterarm. Ein asymmetrischer Kabarettist, der einzige seiner Art übrigens, der nach eigenem Bekunden Geld sammelt, um sich in den USA das rechte Bein amputieren zu lassen, um die Gleichgewichtsstörungen zu kompensieren. Fromme war der vierte im Bunde der Bewerber um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ und kam mit einem sehr besonderen Programm: „Besser Arm ab als arm dran“, einem Programm auf Kosten Blinder, Gehörloser, jener mit Down- und „Tourette“-Syndrom und anderer „Unvollständiger“.

Die Inklusion für alle begann mit der Nationalhymne seines Heimatortes Wanne-Eickel und bot Einblicke in die Welt der Behinderten, die man so noch nie hatte – „Sex mit einem Rollstuhlfahrer ist kompliziert und ein bisschen wie Tetris“. Seine Behinderung sei in Wirklichkeit eine Schnitzarbeit aus dem Erzgebirge: „Im Winter mach ich mir da vorne eine Stumpenkerze drauf“.

Was folgte, war eher ein multimediales Programm, denn eine Kabarettvorstellung. Kurze Lesungen aus seinem satirischer Behinderten-Ratgeber, für den man ihn in der Luft zerrissen hätte, wäre er nicht selbst behindert. Filmeinspieler mit versteckter Kamera, Fromme als Sänger, Fromme, der seinem Publikum erlaubte, lauthals über Witze zu lachen, die man sich niemals selbst zu erzählen trauen würde: „Ein Mohammedaner im Rollstuhl – was steht auf dem Rücken? Is lam!“

Viele Fragen stellte Fromme in den Raum und ließ sie unbeantwortet – „Gibt es eigentlich Ermäßigungen für Stotterer bei der Sex-Hotline?“,. Er erzählte wenig und las dafür um so mehr aus seinem Manuskript. Und irgendwie vermisste man den direkten Kontakt zum Publikum zwischen all den Einspielern vom Band.

Lustig war er natürlich, der Fromme, der behauptet, dass ihm sein Arm von strengen katholischen Nonnen wegen Linksschreibens abgehackt wurde. Aber ob das reicht für den Gewinn der „Lüdenscheider Lüsterklemme“, bleibt abzuwarten.

Jutta Rudewig

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