Marktschreier in Lüdenscheid: Alles für einen Zehner

Axel Pabst und Klaus Philipp sind als „Bananen-Fred“ auf den Marktplätzen unterwegs.

LÜDENSCHEID ▪ Wir Marktschreier sind eine aussterbende Gilde“, so Klaus Philipp. Am Osterwochende war davon auf dem Rathausplatz allerdings nichts zu spüren. Lauthals priesen die fahrenden Händler ihre Spezialitäten an. Ob nun Bananen-Fred, Käse-Mika, Nudel-Ralli oder der Wattwurm: Die Waren wechselten gleich in ganzen Körben den Besitzer.

Mit einem 40-Tonner ist Bananen-Fred in die Bergstadt gereist, um die Menge an Obst auch transportieren zu können. Dahinter stehen Klaus Philipp und Axel Pabst, die zwischen Februar und Ende November in ganz Deutschland als Marktschreier unterwegs sind. An einem Wochenende werden rund zwölf Tonnen Ware umgesetzt. Die namensgebenden Bananen sind allerdings nicht darunter; denn obwohl das 1953 gegründete Unternehmen palettenweise auf dem Großmarkt einkauft, ist die tropische Frucht momentan einfach zu teuer.

Dafür wandern an diesem Wochenende neben Ananas und Limette auch der schmackhafte Apfel aus dem „Alten Land“ in den Bastkorb. Der Verkauf von Orangen, Weintrauben und Co. gleicht einem Ritual. Immer zehn Körbe stehen an der Rampe des Transporters für die Kunden bereit. „Einen Korb mit Füllung gibt es für einen Zehner“, schreit Axel Pabst in die Menge. Keine Frucht landet im Korb ohne nicht mit mindestens einem Spruch kommentiert zu werden. „Die Blutorangen gibt es nur rund fünf Wochen im Jahr“, sagt der Experte und lässt einen Bund in den Behälter fallen. Am Ende gibt es noch Birnen gratis dazu, „denn die sind von letzter Woche und müssen weg“.

Wer als Marktschreier Erfolg haben wolle, müsse vor allem „quasseln“ können, sagt Klaus Philipp. „Jeder gute Verkäufer muss schlagfertig sein und auf die Sprüche der Kunden reagieren können“, ergänzt Axel Pabst. Die Aussprache des routinierten Marktschreiers wirkt bereits etwas angegriffen und hat einen krächzenden Ton angenommen: „Doch wer nach zwölf Jahren keinen Knacks in der Stimme hat, der macht seine Arbeit einfach nicht gut.“ Zusammen genommen sind beide bereits seit 17 Jahren zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen unterwegs: „Und es macht immer noch Spaß“. Auch Jan Hoffmann alias Käse-Mika ist mit seinem Stand dabei. Anstelle eines Korbes, packt er seine Käsespezialitäten in einen gelben Eimer. Insgesamt 180 Tage im Jahr ist Hoffmann mit seinem Schaustellerfahrzeug unterwegs und froh, dass die Familie das alles mitmache. Was denn in dem Eimer alles drin sei, will ein Passant wissen. Jan Hoffmann nimmt die Einladung dankend auf und beginnt zu erzählen.

▪ Von Jari Wieschmann

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