Hektische Weihnacht

Markthändler Frank Möller ist Kartoffel-Experte und steht den Kunden auch mit Kochtipps zur Seite.

LÜDENSCHEID ▪ „Keine Zeit, keine Zeit“ ruft der Besucher des Wochenmarktes dem Reporter dieser Zeitung zu und verschwindet mit seinen Einkäufen in der Menge. Zeit hat hier anscheinend niemand.

Auch die Händler nicht. „Komm in einer Stunde wieder“, sagt mir Metzgermeister Hans-Werner Ulrich aus Sundern-Allendorf. Für Brigitte Baumann gilt das nicht; sie ist schließlich auf der Suche nach einem saftigen Rinderbraten für den Heiligen Abend und damit eine gern gesehene Kundin. Zwei Tage vor dem großen Fest gilt es die letzten Zutaten für das Weihnachtsmenü zu besorgen und da zählt offenbar jede Minute. Doch trotz aller Hektik: In der Schlange gilt das Gleichheitsprinzip. Und an diesem Samstagvormittag ist nahezu jeder Stand, der Lebensmittel anbietet, dicht umlagert. Warten müssen an diesem Tag alle.

Auch Axel Vedder aus Neuenrade ist nach Lüdenscheid gekommen, um die Bestandteile seines Speiseplans komplett zu machen. Der Einkaufskorb quillt bereits über, es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten. Doch am Feinkoststand geht es nur langsam voran. An ein Gespräch mit dem tapferen und auch einzigen Verkäufer hinter der Theke ist nicht zu denken. „Am Heiligen Abend wird es als Vorspeise eine mediterrane Suppe geben, bevor als Hauptgang dann der Wolfsbarsch auf den Tisch kommt“, sagt Axel Vedder dann noch. Die klassische Weihnachtsgans scheint nicht mehr so gefragt zu sein. Händler Christian Ziebolz kann das bestätigen: „Die komplette Gans wird immer weniger“, sagt er. Stattdessen wandern Brust und Keule in den Bräter. Dass der Trend eher zum individuellen Essen geht, beweisen Hartmut und Heidrun Mattner. Bei den Herscheidern gibt es ein Gericht niemals zweimal. In diesem Jahr hat sich das Paar für Ochsenbraten und Rotkohl entschieden. Auch Kochtipps werden auf dem Markt gerne ausgetauscht. Die Kartoffel-Experten Frank Möller und Frank Hohlfeld wissen genau, welche Knolle sie ihren Kunden verkaufen müssen, um ein gutes Püree zu zaubern: vor allem mehlig muss sie sein. Für die rechte Würze ist Dirk Kammering zuständig. „Im Advent sind natürlich Zimt, Kardamon und Nelken sehr nachgefragt“. Oder aber der Beifuß für die obligatorische Weihnachtsgans.

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