Weniger Hektik als in den vergangenen Wochen

Ohne auf Markt im MK: Wer keine Maske trägt, hat sie noch in Griffweite

markt lüdenscheid
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Petra Hotzel wünscht sich mehr Informationen für die Markthändler seitens der Behörden.

Lüdenscheid – Samstagmittag in der Stadt, angenehmes Wetter: In der Lüdenscheider Innenstadt sitzen die Menschen in den Außenbereichen der Cafés, Kneipen und Restaurants, auf den Treppen vor dem Rathaus. Passanten auf dem Sternplatz bleiben spontan stehen und unterhalten sich. Auf dem Markt herrscht deutlich weniger Hektik als oft in den vergangenen Wochen und Monaten.

Viele Menschen sind inzwischen ohne die so lange obligatorischen Masken unterwegs. Aber wer sie nicht vor Mund und Nase trägt, hat sie oft noch in Griffweite – einfach unters Kinn geschoben, am Arm, am Handgelenk baumelnd oder in der Hemdtasche. Auch wenn seit Freitag viele Lockerungen gelten, bleiben die Masken präsent, wenn auch nicht mehr permanent im Gesicht.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Sie sind trotz der zahlreichen fröhlichen und entspannten Gesichter, die das Bild dominieren, ein Zeichen dafür, dass die Bürger immer noch wachsam und in Sorge sind, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt.

Ohne auf Markt im MK: Unverständnis über EM-Zuschauer

Die Delta-Variante und Reiserückkehrer sind Schlagworte, die genannt werden, wenn man Passanten oder Markthändler fragt, wie sie die aktuellen Lockerungen bewerten – neben dem Unverständnis über die vielen Zuschauer, die bei der Fußball-EM beispielsweise in Wembley zugelassen wurden. Dennoch freuen sich die meisten über die Entspannung. Dennoch sind die allermeisten wenn nicht skeptisch so doch zumindest unsicher, wie sich die Situation nach den Sommerferien oder spätestens im Herbst entwickelt.

Bei den Markthändlern dominiert derzeit eindeutig die Erleichterung über die Lockerungen – erst recht bei denjenigen, die Speisen zum Direktverkehr anbieten. „Wir durften zwar schon Tische raus stellen, aber jetzt müssen wir auch keine Kontaktdaten mehr erfassen. das empfinden die Kunden als angenehm“, sagt Julia Rail, die Cevapcici anbietet. Auch Hans-Werner Müller, Vorsitzender der IG Wochenmarkt, bemerkt die entspannte Atmosphäre, auch wenn er selbst im direkten Kundenkontakt am Grill die Maske noch trägt. Petra Hotzel, die mit ihrem Textilstand auch in anderen Städten des Kreises präsent ist, fehlt Transparenz seitens der Behörden.

Auf der einen Seite gebe es keine Maskenpflicht mehr, gleichzeitig werde sie angesprochen, sie doch zu tragen, weil es empfohlen werde. Hinzu käme, dass alle Städte anders handelten. An den meisten Ständen verzichteten die Händler am Samstag auf ihre Masken. Für Ömer Faruk Celik sind die Lockerungen „ein Schritt in Richtung Normalität“. Ohne Maske am Stand zu stehen sei eine große Erleichterung.

Ohne auf Markt im MK: Viele tragen weiterhin die Maske

Auch unter den Marktbesuchern verzichten viele, aber längst nicht alle auf die Bedeckung von Mund und Nase. Die Eheleute Müller, beide geimpft, wollen kein Risiko eingehen, gerade wegen der noch nicht geimpften Enkel. Waltraut Overbeck und Ursula Spangenberg halten konsequent daran fest, überall dort, wo sie auf Menschen treffen, Masken zu tragen. Und sie achten auf die Abstände, beispielsweise an der Supermarktkasse: „Ich will nicht, dass jemand mir auf die Pelle rückt“, sagt Waltraut Overbeck.

Erst wenn ausreichend Menschen geimpft seien, werde sie auf die Maske verzichten. „Ein bisschen Rücksicht hat noch niemandem geschadet“, ergänzt ihre Begleiterin Ursula Spangenberg. Dazu zählt für die beiden Frauen auch, dass sie erwarten, dass sich jeder, bei dem keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, impfen lassen sollte.

Julia Rail stellt fest, dass Kunden entspannter sind, weil an den Stehtischen keine Daten mehr erfasst werden.

Ilona Bartocha dagegen bewegt sich draußen inzwischen ohne Maske. „In geschlossenen Räumen traue ich mich das noch nicht.“ Sie verstehe, dass viele Leute verunsichert seien. Wie viele andere kann sie nicht nachvollziehen, dass in manchen Stadien der Fußball-EM so viele Menschen zugelassen wurden. Philipp Syskowski, der mit seinem Vater unterwegs ist, betont zwar, dass Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern gut durch die Pandemie gekommen ist, aber mit Blick auf die jungen Leute sie vieles falsch gemacht worden.

Der Student ist sicher, dass auch im nächsten Semester Präsenzveranstaltungen an der Uni noch weitgehend nicht möglich sein werden. „Mir macht das Bauchschmerzen“, sagt er auch im Hinblick auf den Distanzunterricht an Schulen, mit dem nicht jeder gleich gut zurecht komme. Für ihn selbst sei es wegen der Pandemie schwierig gewesen, einen Praktikumsplatz zu finden, aber das habe letztlich doch geklappt.Beide sehen die Lockerungen spektisch. „Das ist unverantwortlich, spätestens in zwei Monaten stehen wir wieder am Anfang“, sagt der Vater. 

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