Marion Fritzsche: Ein Leben für das Akkordeon

+
Marion Fritzsche – seit 35 Jahren Akkordeonspielerin – und das mit Leib und Seele.

LÜDENSCHEID - Zehn war sie, als unter dem Christbaum das erste Akkordeon lag. „Und der Schlüssel“, sagt Marion Fritzsche, „ich wusste überhaupt nicht, was ich damit soll.“ Heute, mehr als 45 Jahre später, ist das Instrument aus dem Leben der Musikschulpädagogin nicht mehr wegzudenken.

Seit 35 Jahren unterrichtet die gebürtige Hohenlimburgerin an der Musikschule der Stadt Akkordeon, ein Jubiläum, das nicht jeder Musikpädagoge erreicht. „Meine Mutter hat Klavier gespielt. Aber eigentlich war sie vom Akkordeon begeistert. Das hat sie dann an mich verschenkt“, erinnert sich die heute 56-Jährige noch an ihre Anfänge. Der Privatunterricht begann umgehend – „das war früher so. Für mein erstes Akkordeon haben wir damals 500 D-Mark bezahlt. Heute kostet ein Kinderakkordeon so rund 900 Euro. Aber es gibt auch Luxusinstrumente, da legt man 20 000 Euro für hin.“

Der Schule folgte ein Akkordeonstudium in Trossingen. Marion Fritzsche liebt das Bodenständige, und die Klein-stadt in Baden-Württemberg kam ihrer Heimat Hohenlimburg am nächsten. „Überall hier hab ich mich anschließend beworben, aber es kamen immer nur Absagen, die aber mit tollen Briefköpfen.“ Hanni Henning, Gründerin der Lüdenscheider Musikschule, schickte seinerzeit eine schlichte Postkarte ins Hause Fritzsche. Wenn die Abschlussprüfung bestanden sei, könne sie sich ja mal melden. Marion Fritzsche tat’s – und blieb.

Am Samstag gibt das Akkordeonorchester, das Marion Fritzsche im April 1978 gründete, auf der Bühne des Scholl-Gymnasiums ein Jubiläumskonzert. „Musik erfreut – Musik verbindet“ heißt das Motto. Bei freiem Eintritt werden ab 17 Uhr gemeinsam mit Chören und dem Harmonika-Club Ilsfeld verschiedene Kompositionen gespielt – wir berichteten bereits. Ein Ehepaar sitzt dann in den Reihen des Lüdenscheider Akkordeonorchester, das sich dort seinerzeit kennen und lieben lernte, heiratete und in diesen Tagen seine Silberhochzeit feierte. Dort in der Aula des Scholl-Gymnasiums fand vor rund 35 Jahren die erste Probe des neu gegründeten Akkordeonorchesters statt. Fritzsche: „Es gab ja damals noch kein festes Haus. Wir mussten immer wieder in andere Schulen.“ 2010 wurde das Akkordeonorchester in Kierspe aufgelöst. Wer dabei bleiben wollte, verstärkte fortan das Lüdenscheider Orchester. „Über diese Schiene kam auch der Kontakt zum Harmonika-Club Ilsfeld“, freut sich Fritzsche am Samstag auf die Begegnung mit den Gleichgesinnten.

Rund zwölf Kilo wiegt das Akkordeon, das Marion Fritzsche mitnimmt, wenn sie sich bei Seminaren und dem gemeinsamen Musizieren mit anderen weiterbildet: „Man ist ja dann auch interessiert an neuer Literatur.“ Osteuropäische Musik gefällt ihr, und die irische.

35 Jahre Akkordeon – aber das Berufsbild hat sich verändert. Inzwischen ist es nicht nur die reine Akkordeonschule. Marion Fritzsche betreut als Koordinatorin den musikalischen Elementarbereich, die Früherziehung, die Grundausbildung, hält den Kontakt zu Kindergärten und Grundschulen. „Sie liebt die Kinder – ihre Kinder – die sie für den Einstieg in die Musik begeistert. Durch ihre Kreativität und fachliche Kompetenz werden ihre Projekte immer zu einem ganz besonderen Erlebnis“, sagt Musikschulleiter Franz Schulte-Huermann. Und „seine“ Akkordeonlehrerin wird dabei ein bisschen rot.

Eine Schallplattenaufnahme ist das, was ihr aus drei Jahrzehnten als ganz besonderer Moment in Erinnerung geblieben ist. Der Blick nach vorn richtet sich auf den Nachwuchs. Nicht nur das Instrument ausprobieren, sondern dabei bleiben – „aber das braucht alles seine Zeit“. Wer beim Konzert dabei sein will, braucht unter Tel. 0 23 51/172 426 eine Platzkarte. Und sollte sich beeilen, bevor alle Plätze vergriffen sind.

Jutta Rudewig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare