Maria Vollmer und die Reihenhausbesitzer

Maria Vollmer am Abend in der Garderobenhalle des Kulturhauses

LÜDENSCHEID - Manfred hatte am Abend den Mitmach-Platz in der ersten Reihe erwischt. Vermutlich wollte er nur einen netten Abend haben. Und dann baute ihn die Kabarettistin Maria Vollmer, dritte Bewerberin um die Lüdenscheider Lüsterklemme, immer mal wieder in ihr Programm ein: „Sex & Drugs im Reihenhaus“ – und das vor ausverkauftem Haus.

Stühle mussten nachgeholt werden, und kaum ein Blatt Papier passte zwischen all die Gäste, die in der Garderobenhalle des Kulturhauses Maria Vollmer erleben wollte. Sie hatte Stand-up-Comedy versprochen, und das hielt sie von Anfang an. Quirlig, wandlungsfähig, lebendig und höchst musikalisch bediente sie nahezu alle Klischees, die man so mit dem Wohnen in einem Reihenhaus in Köln-Nippes verbindet: den paranoiden Ordnungswahn im Vorgarten, die Gummilippe am Briefkasten, damit nichts klappert, wenn der Wind weht, den Schlankheitswahn einer Heidi Klum, dem keine Reihenhaus-Mutter jemals wieder gerecht wird, und natürlich den Frühjahrsputz, ohne den man nicht vor den Nachbarn bestehen kann.

Maria Vollmer hielt den Reihenhausbesitzern nicht nur den Taschenspiegel, sondern gleich einen ganzen Wandspiegel vor. Herrlich dabei die musikalische Liebeserklärung an den Wischmopp oder der verzweifelte Versuch, das Geheimnis zu lüften, warum in den Schleckermärkten eigentlich über Stunden außer einer sich die Nägel feilenden Verkäuferin niemand zu sehen ist. Da muss man doch einfach mutmaßen, das dies der heimliche Londoner Bahnhof King’s Cross ist, auf dem man einem Harry Potter gleich mit dem Einkaufswagen frontal in den Frischhaltefolienstapel knallt, um so nach Hogwarts zu kommen.

Aneinander gereihter Unsinn, gepaart mit Beobachtungen und feinem Gesang, der Blick ins fremde Badezimmer, wo der Nachbar vor dem Spiegel allabendlich den Tarzan macht, der grandiose Nippeser Fruchtbarkeitstanz fürs Gartenwachstum – es war schön, dieser Frau zusehen und zuzuhören. Ein herrlicher Winterabend zum Abspannen – am Ende sogar für Manfred, der ein Tütchen Adonisröschensamen mit nach Hause nehmen durfte - für den Reihenhausgarten. - rudi

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare