Der Meister zersägt sich selbst

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Marcel Kösling stellte zum Abschluss der Kleinkunsttage sein Programm vor.

Lüdenscheid - Comedian „Fat King Konrad“ konnte krankheitsbedingt nicht die letzte Vorstellung der Kleinkunsttage bestreiten, doch Kulturhausleiter Stefan Weippert gelang es, innerhalb kurzer Zeit einen mehr als würdigen Ersatz zu finden: Der Hamburger Marcel Kösling überzeugte an diesem Abend.

Nicht nur sein nagelneues Programm „Keine halben Sachen oder Die Kunst, Frauen zu zersägen“, das erst vor einer Woche uraufgeführt wurde, sondern auch seine beeindruckende Vielseitigkeit, begeisterte die Zuschauer.

Kösling betrat mit einem launigen Liedchen auf den Lippen die Bühne und überraschte in der Folge mit witzig vorgebrachten Zauberkunststücken und Stimmimitationen. Inhaltlich schwadronierte Kösling vergnügt über die Tücken des Lebens wie zum Beispiel die Schwierigkeit, nach Weihnachten den inneren Schweinehund zu überwinden und die angefutterten Pfunde wieder abzutrainieren. Er besang leidvoll das erste graue Haar („Ich hätte nie gedacht, was so ein graues Haar aus meinem Leben macht“) und trauerte seiner Kindheit nach, die mangels Handy noch ohne sorgenvolle Totalüberwachung durch die Eltern auskam. Zwischendurch musste sich Zuschauerin Petra, willkürlich durch den Wurf eines Schaumstoffziegelsteins ausgewählt, aus einem Buch ein Wort merken, das Kösling erraten wollte. Hierfür holte er sich göttliche Hilfe durch Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, der jedoch mit einer enttäuschenden falschen Antwort seinem hervorragenden Ruf nicht gerecht werden konnte.

Nuschelige Gastspiele

Neben Reich-Ranicki gab schließlich auch noch Udo Lindenberg ein nuscheliges, akustisches Gastspiel. Ein süßer Brotaufstrich, da war sich Kösling sicher, ist eine Allzweckwaffe gegen die Schrecken und Ärgernisse der modernen Zeit. „Nur Nutella kann dem Leben, so viel Schmelz und Süße geben“ säuselte der Kabarettist in Form eines Liedes ins Mikro. Solche kleinen, liebenswerten Kabinettstückchen, die Kösling immer wieder einstreute, machten sein Programm sympathisch und liebenswert. Die im Titel vorkommende „Kunst, Frauen zu zersägen“, erläuterte der Kabarettist an diesem Abend zwar nicht, obwohl Zuschauerin Inge, die bei einem anderen Zaubertrick assistierte, sicher schon Befürchtungen hegte. Stattdessen zersägte sich der Meister im Finale lieber selbst, nicht ohne eine Menge exaltiert-theatralisches Gehabe a lá Hans Klok zur Schau zu stellen. So gehört sich das eben für einen echten Zauberer.

Insgesamt war Marcel Köslings Humor sicher deutlich zurückhaltender als Brachial-Comedian Konrad Stöckel alias „Fat King Konrad“. Doch die Zuschauer konnten sich trotzdem oder gerade deswegen mit dem sympathischen Humor des Hamburgers und seinem abwechslungsreichen Programm gut anfreunden. - bot

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