Auch Waffen waren im Spiel

Mann verbreitet unter Geschäftsleuten in Lüdenscheid Angst und Schrecken

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Insgesamt soll der Lüdenscheider gut 90 000 Euro Schutzgeld erpresst haben.

Ein Lüdenscheider hat sich unter anderem wegen Schutzgelderpressung vor dem Landgericht Hagen zu verantworten.

Im Schutzgeldprozess haben Berichte von Kriminalbeamten gestern die Dimensionen der den Angeklagten vorgeworfenen Taten angedeutet. Am Anfang der Ermittlungen habe es von einer Kontaktperson mehrere Hinweise auf ähnliche Sachverhalte gegeben, erklärte der Leiter der Ermittlungen. „Lüdenscheider Geschäftsleute sollen erpresst werden.“ Dabei soll der Hauptangeklagte systematisch Angst geschürt haben. Zeugen berichteten in ihren polizeilichen Vernehmungen von Ansagen wie dieser: „Wenn du nicht zahlst, werden du und deine Frau und Kinder sich hier in Lüdenscheid nicht mehr frei bewegen können.“ Oder auch: „Bis heute Abend haben wir das Geld, sonst wenden wir uns an deine Familie!“ 

Zur Bekräftigung seiner Worte soll der 42-Jährige Zeugen gelegentlich seine Pistole gezeigt haben, die – nach dem Hochziehen seines T-Shirts – in seinem Hosenbund sichtbar wurde. Ein Erpressungsopfer soll gezwungen worden sein, Waffe und Munition anzufassen. Ein weiteres Opfer soll der Hauptangeklagte gewürgt und mit einem Schwert am Hals bedroht haben. „Wenn du nicht zahlst, geht das hier weiter“, zitierte ihn ein Zeuge bei der Polizei. Ein weiterer eingeschüchterter Zeuge entschloss sich nach seiner Anzeige bei der Polizei zu einem Rückzug: „Er hat sich selbst gemeldet und wollte die Anzeige zurückziehen“, erinnerte sich der Ermittlungsführer. Der Zeuge habe geäußert, dass er kein Interesse mehr an der Aufklärung des Sachverhalts habe. Offenbar lieferte er eine Begründung für sein Verhalten: „Er habe Angst und wolle keine Aussage machen“, erinnerte sich der Beamte an den Sinn des Gesagten. Mit einer Erklärung des Zeugen, „dass das alles nicht so war“ wie er zunächst ausgesagt hatte, ging der Hauptangeklagte am nächsten Tag zu seiner polizeilichen Vernehmung. Das Ganze sei nur „ein Missverständnis unter Freunden gewesen, und es sei alles wieder in Ordnung“, erklärte er. 

Der Ermittlungsführer ging auf Nachfrage auch auf den Vorwurf eines Zeugen ein, die Polizei hätte ihn mit der Situation allein gelassen. Erstens sei der Zeuge vorübergehend nicht erreichbar gewesen. Zweitens gelte grundsätzlich: „Wenn die Polizei tätig werden soll, dann müssen die Leute auch was aussagen.“ 

Eher widerständig soll ein Geschäftsmann im September 2019 auf den Erpressungsversuch reagiert haben: „Ich habe die Polizei angerufen, und dann haben die Personen sich entfernt.“ Einen Grund für die Zahlung von 10000 Euro an den Hauptangeklagten habe er nicht gesehen, erklärte der Zeuge bei der Polizei: „Ich schulde ihm nichts. Ich habe geschäftlich noch nie etwas mit ihm zu tun gehabt.“ 

Die Angeklagten äußerten sich auch gestern nicht zu den Vorwürfen. Der Lüdenscheider soll bei einer polizeilichen Vernehmung abgestritten haben, einen Zeugen bedroht und erpresst zu haben. Die polizeilichen Ermittlungen legen nahe, dass sein 42-jähriger Mitangeklagter in der Rolle eines robusten Begleiters aufgetreten sein könnte, der den Forderungen des 46-Jährigen Nachdruck verlieh. Ein Zeuge erinnerte sich an eine Selbstauskunft des 42-Jährigen: „Ihm sei alles egal, er habe mehrere Pässe und schon im Knast gesessen.“ 

Der Prozess wird am Montag, 26. Oktober, ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

Der Fall

Ein 42-jähriger Lüdenscheider und ein 46-jähriger Mann aus Haan müssen sich wegen Schutzgelderpressung und schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Hagen verantworten. Der 42-jährige Hauptangeklagte soll in den Jahren 2015 bis 2019 von Personen in Lüdenscheid sogenanntes „Schutzgeld“ erpresst oder dies zumindest versucht haben. Insgesamt werden ihm 13 Einzeltaten vorgeworfen, durch die er gut 90 000 Euro erbeutet haben soll.

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