Randale in der Sparkasse

Mann spricht in Überwachungskamera - als keiner antwortet, rastet er aus

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Sparkasse (Symbolbild). 

Lüdenscheid – Ein 29-jähriger Lüdenscheider spricht in eine Überwachungskamera einer Sparkassen-Filiale. Als ihm niemand antwortet, nimmt er einen Stein und rastet aus. Im Vorraum der Bank entstehen 15.000 Euro Schaden. 

Nach dem Urteil des Landgerichts gegen zwei Räuber, die am 25. Dezember 2018 die Aral-Tankstelle an der Werdohler Straße überfielen, beschäftigt sich nun das Amtsgericht Lüdenscheid mit einem anderen Beutezug in dieser Tankstelle. 

Allerdings hatte der angeklagte Raub derart groteske Züge, dass das Schöffengericht den Angeklagten zunächst für eine Untersuchung zu einem psychiatrischen Gutachter schickte und das Strafverfahren vertagte. 

Mit Stein in der Hand 50 Euro erpresst

Laut Anklage hatte der 29-Jährige in der Tankstelle 50 Euro verlangt. Das Personal hatte ihn daraufhin aus dem Kassenraum geschmissen. Später kam er wieder und verlieh seiner Forderung mit einem Stein in der Hand mehr Durchschlagskraft. Mit diesem drohte er eine Fensterscheibe einzuschlagen, wenn ihm die verlangten 50 Euro nicht ausgehändigt würden. 

„Ich habe gesagt, dass sie mir das Geld geben sollen – sonst schlage ich die Scheibe ein“, gestand er. Der Kassenraum habe zu dieser Zeit nicht mehr offengestanden. Das Personal realisierte aber offenbar, dass der mögliche Schaden weit höher sein würde, wenn die Scheibe eingeschlagen würde, und händigte 50 Euro im Austausch gegen den Stein aus.

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Erheblich höher war der Schaden acht Tage später, als der 29-Jährige zu nächtlicher Stunde vor einer Überwachungskamera der Sparkassenfiliale an der Heedfelder Straße auftauchte und die Freischaltung seines offenbar sehr strapazierten und deshalb gesperrten Kontos verlangte. 

Videoüberwachung

Aus Frust, dass daraufhin natürlich nicht passierte, zerstörte der Angeklagte ein Glasfenster mit einem Stein und zerstörte vier Bildschirme der Serviceterminals. Dabei entstand laut Anklage ein Sachschaden von 15.000 Euro. 

Er sei sauer gewesen, dass die Sparkasse das Konto gesperrt hatte, erklärte er und gestand: „Da habe ich von außen einen Stein in die Scheibe geworfen“. Er nannte auch ein Motiv für die Gier nach überschaubaren Geldbeträgen: „Ich glaube, zu dem Zeitpunkt war das nur wegen Drogen.“ 

"Posttraumatische Belastungsstörung durch Gewaltvideos"

Der 29-Jährige behauptete, dass er „plötzlich“ mit dem Drogenkonsum aufgehört hatte. Das genannte Motiv klang allerdings beunruhigend: Horrorvorstellungen und Gewaltbilder hätten ihn heimgesucht, erklärte er und nannte den Grund für die von ihm selbst diagnostizierte „posttraumatische Belastungsstörung“: Als Kind habe er unfreiwillig Gewaltvideos gesehen. 

An diesem Punkt zogen sich die Prozessbeteiligten zu einer Beratung zurück, und das Schöffengericht setzte die Verhandlung vorerst aus. Einen neuen Termin wird es erst nach einer Begutachtung des 29-Jährigen geben. Dabei geht es auch um eine Unterbringung und die Frage, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt möglicherweise nur eingeschränkt schuldfähig war.

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