Mann soll vor 28 Jahren  Unfälle inszeniert haben - dann tauchte er unter

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Symbolbild

Lüdenscheid - 28 Jahre schlummerte der Fall in den Gerichtsakten. Nun könnte eine wahrhaft uralte Geschichte strafrechtlich aufgearbeitet werden.

Das Schwurgericht Hagen befasst sich ab Montag mit den Missetaten eines heute 54-Jährigen, der Anfang der 90er-Jahre als Mitglied einer Lüdenscheider Autobumser-Bande rund 31 000 Mark ergaunert haben soll. 

Die Staatsanwaltschaft hat unter anderem Anklage wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zur Ermöglichung einer anderen Straftat – in diesem Fall Betrug – erhoben. Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. 

Der Mann soll zwischen Juli ‘92 und Februar ‘93 in der Kreisstadt absichtlich sechs Verkehrsunfälle verursacht und die Versicherungssummen kassiert haben. Der mutmaßliche Komplize des 54-Jährigen, damals als „Mitbumser“ unter Verdacht, wurde 1996 am Amtsgericht Lüdenscheid rechtskräftig zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren verurteilt. 

Ein Kriminalhauptkommissar hatte monatelang ermittelt, weil ihm – wie die LN damals berichteten – „die türkisch-griechische Geldmaschine spanisch vorkam“. In dem Verfahren gegen seinen Freund trat der jetzige Angeklagte bereits als Zeuge auf. Doch bis zur Anklage gegen ihn selbst sind inzwischen 24 Jahre vergangen. 

Das liegt nach Auskunft des Sprechers des Landgerichts Hagen, Richter Bernhard Kuchler, an „extrem komplizierten“ Verjährungsregeln im Strafrecht. Die Fristen für die sogenannte Verfolgungsverjährung richten sich einerseits nach dem erwarteten Strafmaß. 

Demnach dürfte die Frist im Falle des 54-Jährigen eigentlich nach zehn Jahren verstrichen sein. Doch auch hier sieht das Strafgesetzbuch Besonderheiten und Ausnahmen vor. Denn eine Verjährungsfrist kann unterbrochen werden – etwa, wenn eine Anklageerhebung in Arbeit ist, ein Eröffnungsbeschluss durch ein Gericht noch aussteht oder wenn ein Angeklagter abgetaucht ist. 

Wird eine Verjährungsfrist in solchen Fällen unterbrochen, beginnt sie nach Ende der Unterbrechung wieder von vorne. Im aktuellen Fall, teilt das Landgericht mit, war den Strafverfolgungsbehörden bis zum vergangenen Jahr nicht bekannt, wo sich der Angeklagte aufhält. 

Möglicherweise war er im Ausland. Zuletzt soll er in Stuttgart gewohnt haben und schließlich dort aufgespürt worden sein. Er gilt als nicht vorbestraft und befindet sich derzeit auf freiem Fuß. 

Ob die alten Fälle erfolgreich aufgerollt werden können, erscheint fraglich. Einerseits, so Bernhard Kuchler, sei völlig offen, ob sich relevante Zeugen an Verkehrsunfälle erinnern können, die 28 Jahre zurückliegen. 

Andererseits ist die Liste möglicher Zeugen schon ausgedünnt. Bis zu vier Zeugen sind inzwischen gestorben.

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