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Mann aus MK mit knapp 80.000 Euro in bar vor Abflug in Richtung Türkei erwischt

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Von: Olaf Moos

Baustelle Gerüst (Symbolbild)
Symbolbild © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein Bauunternehmer (49) aus der Kreisstadt hat zugegeben, dem Staat mehr als 400 000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen vorenthalten und in 34 Fällen Schwarzarbeiter über fingierte Rechnungen bezahlt zu haben.

Lüdenscheid - Damit dürfte der Strafprozess gegen den Familienvater schneller über die Bühne gehen als geplant. Möglicherweise kommt der Angeklagte sogar mit einer Bewährungsstrafe davon.

Der Strafverteidiger, Rechtsanwalt Dr. Thomas Heil aus Frankfurt am Main, hat nach eigenen Worten bereits vor dem Prozessauftakt Gespräche mit dem Staatsanwalt geführt. Demnach hatte der Ankläger signalisiert, im Falle eines umfassenden Geständnisses sei eine Freiheitsstrafe zur Bewährung „vorstellbar“.

Eine formelle Verständigung kam am Montag dennoch nicht zustande – wegen „unterschiedlicher Vorstellungen über die Unter- und Obergrenzen“ des möglichen Strafmaßes, so der Vorsitzende der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer, Richter Andreas Behrens. Neben dem zentralen Vorwurf könnte ein weiterer Aspekt eine Rolle spielen, den der Verteidiger als „erschwerend“ bezeichnete.

Denn im Februar versuchte der Angeklagte, 79 600 Euro in bar in die Türkei zu bringen. Sicherheitskräfte am Düsseldorfer Flughafen entdeckten das Geld im Koffer und stellten es sicher. Auch das räumt der Bauunternehmer unumwunden ein. Er habe das Geld in der Türkei an Bekannte zurückzahlen wollen, die ihm für die Behandlung seines therapiebedürftigen Sohnes Darlehen gewährt hätten.

Zur Frage der Richter, woher das Geld in seinem Koffer stammte, erklärt der Angeklagte, das sei eine Steuererstattung aus einem inzwischen erledigten Bauprojekt in Großbritannien. Dr. Heil präsentiert die entsprechenden Papiere – und sagt, sein Mandant verzichte als Wiedergutmachung auf die Rückgabe der knapp 80 000 Euro.

Für die 1. große Wirtschaftsstrafkammer bleibt das Puzzle der Sozialbetrügereien des Angeklagten trotz des Geständnisses auf dem Tisch. Es sollen Zeugen vernommen werden. Die Namen und Firmensitze der sogenannten Serviceunternehmen, die dem Lüdenscheider Scheinrechnungen gegen mindestens zehnprozentige Provisionen ausgestellt und damit Fremdleistungen vorgetäuscht haben, sind der Justiz bekannt – allesamt hessische Firmen.

Die Geschäftsanteile seiner eigenen Baufirma in Lüdenscheid hat der Angeklagte inzwischen veräußert.

Der Prozess wird am 23. Juni, 10 Uhr, im Saal 101 des Landgerichts fortgesetzt.

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