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Mann aus MK hat Kinderpornos auf dem PC: Drei Monate auf Bewährung

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Von: Olaf Moos

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8000 Dateien mit Kinderpornos hatte ein Töginger gespeichert. DAfür muss er jetzt in Gefängnis.
Symbolbild © dpa/Picture Alliance

Drei Monate auf Bewährung und eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro, zu zahlen an den Lüdenscheider Kinderschutzbund – so lautet das Urteil im Verfahren gegen einen Lüdenscheider (56), in dessen Wohnung die Polizei im Juli Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Filmen und Fotos sichergestellt hat.

Lüdenscheid - Strafrichter Andreas Lyra ist gewillt, dem Angeklagten Goldene Brücken zu bauen. Doch der gibt sich anfangs störrisch.

Der Lüdenscheider, geschieden, Hartz IV und seit 2016 krankgeschrieben, sagt: „Die Dateien sind auf meinem Rechner vorhanden gewesen, das lässt sich ja nicht abstreiten.“ Doch wo das illegale Material herkommt, „das weiß ich nicht“. Der Richter reagiert verschnupft. „Das ist mir ein bisschen wenig. Da waren Ordner angelegt, die kommen ja nicht irgendwie da rein, das passiert ja nicht einfach so.“ Er stelle sich vielmehr die Frage nach dem Warum. „Echtes kinderpornografisches Material, das ist ja nicht gerade Mainstream.“

Erst jetzt kommen Hintergründe zum Vorschein. Der Angeklagte berichtet über seine Erkrankung, über Trennung und Scheidung, dass er sein Haus habe verkaufen müssen, dass Notar- und Maklerkosten und Unterhaltszahlungen ihm schwer zugesetzt hätten. Der Richter souffliert ein wenig. „Und da haben Sie sich ein bisschen im Internet verloren.“

Oberamtsanwältin Maximiliane Hieke erklärt dem 56-Jährigen, wie viel Glück er hat, dass die Durchsuchung bereits im Sommer ‘20 erfolgte. „Ein halbes Jahr später wurde der Strafrahmen für so was erheblich erhöht.“ Nun werde „so was“ als Verbrechen eingestuft. Der Richter fragt nach dem sichergestellten Beweismaterial. „Die Bilder müssen wir uns nicht angucken?“ Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hebt die Augenbrauen und antwortet knapp: „Nein, danke!“

Die richterliche Frage nach dem Warum ist damit immer noch nicht geklärt. Lyra will vom Angeklagten wissen, ob er ein „kleines Problem mit pädophilen Neigungen“ habe. Das weist der Mann zurück. „Habe ich nicht, ich passe sogar auf meine Enkel auf.“ Und: „Wenn ich’s hätte, würde ich mir einen Strick nehmen und mich aufhängen.“ Er habe beim Anschauen der Dateien „keine sexuelle Erregung verspürt“.

In seiner Urteilsbegründung macht der Richter deutlich: „Es fehlt mir in diesem Fall an Verantwortungsübernahme und Selbstreflexion.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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