18 Monate für Manipulation in der Spielhalle

Lüdenscheid - Welch ein Zufall: Drei Männer aus Göttingen, Hamburg und dem Kölner Raum treffen sich in einer Spielhalle am Sauerfeld und füttern Spielautomaten. Und noch ein Zufall: Sie gewinnen ordentlich: am 20. Februar vor zwei Jahren 3227,40 Euro, sechs Tage später 4731,80 Euro, und weitere drei Tage später – gar nichts. Da taucht nämlich die Polizei auf und beendet die „Glückssträhne“.

Von Olaf Moos

Wie sich herausstellt, waren die Automaten manipuliert worden.

Der Mann aus Göttingen hat sich vor eineinhalb Jahren 18 Monate Gefängnis eingehandelt. Sein Komplize ist bislang unbekannt, er konnte vom Sauerfeld fliehen. Bleibt der 24-jährige Hamburger. Der hat die Rechtsanwälte Thomas Dietrich und Michael Schacht aus der Hansestadt mitgebracht, sitzt grippegeschwächt auf der Anklagebank und macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Also muss das Schöffengericht unter Vorsitz von Jürgen Leichter Indizien sammeln.

Der Göttinger ist Hauptbelastungszeuge – und erfahrener Automatenzocker. Er berichtet, wie er immer mal wieder angerufen wurde. „Komm, wir machen uns einen goldenen Arsch.“ Dann sei er losgefahren. „Ich sollte nur aufpassen“, das heißt, die Komplizen abschirmen und das Aufsichtspersonal ablenken.

Derweil, so der Zeuge, hätten seine Bekannten „was“ an den Apparaten gemacht. „Was genau, habe ich nicht gesehen, aber vom Spielverlauf her habe ich gesehen, dass da ein Gerät angeschlossen war.“ Dem Gericht erschließt sich nicht, wie die Geschichte technisch genau funktioniert. Nur so viel ist klar: In den Ummantelungen der Kabel, die die Automaten mit Strom und Daten versorgen, findet der Spielhallenbetreiber kleine Einstiche – ein Hinweis darauf, dass jemand eine Klemme angebracht hat und ins System eingedrungen ist.

„Da rauschte dann also schön das Hartgeld raus“, mutmaßt Richter Leichter. Der Zeuge stimmt zu. „Er (der Angeklagte, Anm.d.Red.) hat das dann gleich in der Spielhalle in Papiergeld eingewechselt.“ Zwei Angestellte aus der Spielhalle erinnern sich, dass „die da vorher irgendwas an den Automaten gemacht haben“.

Die Verteidiger stellen Beweisanträge. Sie wollen Videos der Überwachungskamera sehen, weil darauf angeblich nichts Belastendes zu sehen ist. Und sie wollen „Auslesestreifen“ der Automatenhersteller hinzuziehen, auf denen ebenfalls keine Manipulationen nachweisbar sein sollen.

Das Gericht weist die Anträge ab – und stützt sich auf die Aussage des Göttingers. Das Urteil: eineinhalb Jahre mit Bewährung wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetruges in drei Fällen, davon ein Versuch.

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