Hochwasser-Folgen

Mammutaufgabe Sperrmüll: STL beginnt mit Entsorgung in Brügge

Cemal Ugur (links) und Christopher Pracht in den Müllbergen. Am Mittwoch hat der STL mit Abtransport der Trümmer im Lüdenscheider Ortsteil  Brügge begonnen.
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Cemal Ugur (links) und Christopher Pracht in den Müllbergen. Am Mittwoch hat der STL mit Abtransport der Trümmer begonnen.

Der Müll steht meist gestapelt an den Gehwegen in Brügge, nun muss er abtransportiert werden. Diese Mammutaufgabe übernimmt seit Mittwoch der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) – mit Unterstützung von Kollegen und Fahrzeugen aus Hamm, Dortmund und Recklinghausen.

Lüdenscheid – Vor Ort an der Volmestraße fährt das Entsorgungsfahrzeug aus Recklinghausen von Ulrich Schulz von Haus zu Haus. Die STL-Männer Jörg Bender, Olaf Mathis, David Müller und Phil Thimm verfrachten jedes Teil durch die hintere Öffnung in den Bauch des Entsorgungsfahrzeuges. Sind Bürgersteig und Einfahrt leer, geht es weiter.

Macit Uluer schaut den Männern hinterher, die gerade den Unrat vom Hof seines Arbeitgebers entfernt haben. „Die Feuerwehr hat gestern Abend noch die Durchsage gemacht den Müll an die Straße zu stellen.“ Alles sei mitgenommen worden, sagt der 37-Jährige.

Gegen zehn Uhr ist es mit dem Abtransport zur Deponie erst einmal vorbei. „Frühstückspause“, ruft David Müller. Das ist aber nicht der eigentliche Grund, warum die Kolonne die Arbeit unterbricht: Der Lastwagen ist voll. „Die Fahrzeuge können sechs bis sieben Tonnen Sperrmüll transportieren“, sagt STL-Bereichsleiter Christoph Schubert, der den zuständigen Kollegen in seiner letzten Urlaubswoche vertritt. Zum Glück könne der Müll zunächst in Lüdenscheid zwischengelagert werden und müsse nicht – wie ursprünglich vorgeschrieben – direkt nach Iserlohn. „Das spart eine Fahrzeit von eineinhalb bis zwei Stunden ein“, rechnet Schuber vor.

Am Vormittag warten auch noch die Anwohner schräg gegenüber der Galerie Kümmel auf den Abtransport ihrer Trümmer. Vier Wohnungen und die zugehörigen Garagen werden am vergangenen Mittwoch geflutet. Anwohner Cemal Ugur steht mit Gummistiefeln im schlammverdreckten Hinterhof und stemmt die Hände in die Hüften. Mit seiner Frau Fabime ist er während des Hochwassers im Urlaub, beide kehren schnellstmöglich nach Hause zurück. Dort finden sie die Zerstörung vor, die sie nur von Videos kennen. „Kein Vergleich. Vor Ort ist es so viel schlimmer“, sagt die 57-Jährige.

Der Trupp mit dem Fahrzeug aus Dortmund lässt nichts am Straßenrand zurück.

Nach zwei Tagen macht sich das Ehepaar mit den Anwohnern daran, das Chaos zu beseitigen. Jetzt türmt sich Sperrmüll im Hinterhof – und das ist längst nicht alles. „In den Wohnungen und Garagen steht noch einmal die doppelte Menge“, sagt Cemal Ugur. Dazu kämen insgesamt Totalschäden an sieben Autos, einem E-Bike, vier Motorrollern und drei Motorrädern, sagen die Anwohner.

Unter ihnen ist auch Christopher Pracht, der im Vorderhaus sein Versicherungsbüro betreibt. Arbeiten kann er nicht: „Der Strom bleibt voraussichtlich bis zum 2. August abgeschaltet.“ Für die Anwohner sei es umso schlimmer, da sie mehr als zweieinhalb Wochen ohne Elektrizität leben müssten, sagt der 34-Jährige.

Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge

Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge
Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge
Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge
Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge
Entsorgung des Hochwasser-Sperrmüll in Brügge

Es sei noch viel zu tun, sagen alle Hochwasseropfer, doch was ihnen Kraft gebe, sei die riesige Unterstützung, die sie von allen Seiten – auch von wildfremden Menschen – erfahren. „Das gibt einem den Glauben an die Solidarität in der Gesellschaft zurück“, sagt Fabime Ugur mit einem strahlenden Lächeln, das so gar nicht zur trostlosen Umgebung passen will.

Von Fabienne Schwarzer und Hans-Georg Gottfried Dittmann

STL sammelt gesamten Hochwasser-Müll ein

Am Mittwoch ist die koordinierte Aktion des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) in den Ortsteilen Brügge, Brüninghausen, Wettringshof und Mintenbecke sowie am Schloss Neuenhof angelaufen, bei der Sperrmüll, der durch das Hochwasser entstanden ist, abgeholt wird. Die Aktion sei zunächst bis zum kommenden Mittwoch, 28. Juli, geplant, sagt der aktuell zuständige STL-Bereichsleiter Christoph Schubert. Solange sei auch die Unterstützung aus Hamm, Dortmund und Recklinghausen im Einsatz. „Bei Bedarf wird die Aktion verlängert, bis alles entsorgt ist“, versichert Schubert.

Sollten weitere Abholungen nötig sein, kann dies beim STL unter Tel. 0 23 51/3 65 20 angezeigt werden. „Ein fester Termin kann aus Koordinationsgründen nicht vereinbart werden“, sagt Schubert. „Wichtig ist nur, dass der STL informiert ist“, sagt der Bereichsleiter.

Ab Montag, 26. Juli, unterstützen die Lüdenscheider Mitarbeiter auch die Kollegen in Halver und Umgebung beim Abfahren des Sperrmülls.

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