Prozess: Lebensgefährtin Kissen auf Gesicht gepresst

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Lüdenscheid - Für ein elf Jahre junges zartes Mädchen ist es ein schlechtes Umfeld: Drogensucht, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, häusliche Gewalt, Hartz IV, Polizeieinsätze – aus diesem Klima hat das Jugendamt das Kind nun herausgeholt.

Von Olaf Moos

Aber erst nachdem es mitansehen musste, wie der betrunkene Lebensgefährte der methadonabhängigen Mama ein Kissen auf den Kopf presste, bis sie fast erstickte. Seit Freitag muss sich der 39-Jährige vor dem Schwurgericht unter anderem wegen versuchten Totschlags verantworten.

Die Vorsitzende Richterin, Heike Hartmann-Garschagen, hat sich für den ersten Verhandlungstag ein Mammut-Programm geschrieben und es durchgezogen. Neun Zeugen, vornehmlich aus den Reihen der Polizei, geben in ihren Aussagen einen Einblick vom Geschehen und ihren Erfahrungen im Milieu der Beteiligten.

Eine komplizierte Beweisführung ist aber nicht nötig. Dass er seiner Freundin (37) im Streit eine Schwertklinge an die Kehle gedrückt hat, „stimmt“, so der Angeklagte. Dass er im Keller ihres damaligen Wohnhauses betrunken Feuer gelegt hat, weil er sauer auf sie war, „kann ich nicht ausschließen“. Und dass er ihren Kopf in der gemeinsamen Wohnung in blinder Wut mit einem Kissen ins Sofapolster gepresst hat, treffe ebenfalls zu. „Aber nicht mit dem Gedanken, sie umzubringen.“ Er habe einfach nur gewollt, dass sie leise ist.

Lautstarke Auseinandersetzungen gehörten zum Alltag in der Patchwork-Familie. Der arbeitslose Maler und Lackierer sagt, seine Partnerin sei auch „immer laut“ geworden. Einmal habe sie ihn mit einem Messer bedroht. Doch die Richterin bremst ihn. „Da war das Kräfteverhältnis wohl eher ausgeglichen.“ Der Beschuldigte erinnert sich an die Monate vor dem Vorfall. „Wir hatten schon ein Abo bei der Polizei.“

Die Beleuchtung der Trinkgewohnheiten und des Drogenmissbrauchs des dreifachen Vaters nimmt im Prozess breiten Raum ein. Es stellt sich heraus, dass sein Zustand labiler wurde, je länger er mit seiner Freundin zusammenlebte.

Die heute zwölfjährige Tochter ist die einzige Tatzeugin. Das Gericht kann ihr eine kurze Aussage nicht ersparen. Das Kind schildert tapfer, wie es, vom Streit im Nebenzimmer erwacht, der Mutter helfen will und dem Mann „Lass das!“ zuruft. „Mama hat dann ganz schlecht Luft gekriegt.“

Der Prozess wird am kommenden Freitag um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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