Maikundgebung - ein Tag der klaren Worte

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Klare Aussage: Die strikte Abwehrhaltung gegen rechtsextreme Umtriebe war ein wesentliches Merkmal der Lüdenscheider Maifeier.

Lüdenscheid - Sozialabbau in Europa, rechtsextreme Stadtratskandidaten und die Vorgänge in der Ukraine – es war ein weites Feld, das sich diesmal bei der Maikundgebung auf dem Rathausplatz auftat. Entsprechend vielseitig präsentierte sich die Großveranstaltung. Lüdenscheid war dabei in diesem Jahr Schauplatz der zentralen DGB-Maifeier im Märkischen Kreis. Massenandrang, klare Worte und ein buntes Familienfest prägten das Bild in der Innenstadt. Und das alles bei lauem Maiwetter.

400 Teilnehmer beim Demonstrationszug

Schon der traditionelle Demonstrationszug war für die Gewerkschaften ein Erfolg – immerhin liefen im Tross rund 400 Männer und Frauen mit. Die legten auf ihrem Weg vom Kreishaus in die City einen Zwischenstopp an den Lüdenscheider Gedenkzellen ein. Das passte zum Charakter der Maifeier. Denn die Gedenkstätte erinnert bekanntlich an Lüdenscheider Nazi-Opfer. Und zu denen zählten auch Gewerkschafter. Das machte Matthias Wagner vom Gedenkzellen-Verein in einer kurzen Ansprache erneut deutlich. Er berichtete von „100 mutigen Gewerkschaftern“, die sich gegen Ungeist und Verbrechen der Nazis stemmten – und dafür verfolgt wurden.

"Rechtsextreme haben im Stadtrat nichts verloren"

Dem Halt vor der Gedenkstätte folgten kurz darauf die eigentlichen Maireden auf dem Rathausplatz. Zunächst trat dabei Bernd Schildknecht, Bevollmächtigter der heimischen IG Metall, ans Mikrofon. Er warnte vor dem Einzug Rechtsradikaler in die Parlamente – und vor einer Verharmlosung des neonazistischen Treibens. Seine Worte: „Angesichts der einst fabrikmäßigen Vernichtung von Menschen in Deutschland haben Rechtsextreme im Stadtrat nichts verloren.“

„Die Gewerkschaftsbewegung lebt“

Erinnerung an Nazi-Verbrechen: Die Teilnehmer des Demonstrationszugs legten einen Stopp vor den Gedenkzellen ein.

Ein anderes Thema. In Anbetracht des europaweiten Abbaus von Sozialstandards setzt Schildknecht auf eine starke gewerkschaftliche Gegenbewegung. Eintritte in die Arbeitnehmervertretungen in jüngster Zeit steigern dabei seine Zuversicht: „Die Gewerkschaftsbewegung lebt.“

"Gewerkschaften sind wichtig"

Das allerdings sei auch bitter nötig. Denn, so Schildknechts eindeutige Diagnose zu den wirtschaftlichen Machtverhältnissen: „Die Geschichte der Bundesrepublik zeigt, dass sich die Arbeitnehmer immer alles erkämpfen mussten. Nichts wurde uns geschenkt.“ Und weiter: „Gewerkschaften sind wichtig, damit die Arbeitnehmer nicht unter den Tisch gekehrt werden.“

Und auch zur Ukraine-Krise äußerte sich Schildknecht. Sein dringender Friedensappell an die Politiker dabei: „Reden statt schießen.“

"Der Mindestlohn muss für alle gelten"

Der Hauptredner bei der Maierfeier war Jochen Marquardt, Geschäftsführer der DGB-Region Ruhr-Mark. Er schlug in eine ähnliche Kerbe wie Schildknecht, geißelte die sozialen Bedingungen für Arbeitnehmer von Asien bis Europa und forderte einen stärkeren Organisationsgrad: „Wer was verändern will, soll sich gefälligst organisieren.“ Und Marquardts Meinung zum Mindestlohn: „Wir sind natürlich für ihn. Aber wir sind gegen Ausnahmen bei Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen. Der Mindestlohn muss für alle gelten.“

Soweit die gesellschaftskritischen Kernbotschaften. Der Rest des Maitages gehörte dann ganz der Unterhaltung. Der Lüdenscheider Kinderchor, die „John Porno Band“ und die Formation „Jazz it up“ sorgten für die Musik. Dazu lockten Kinderbelustigungen und Info-Stände. - Von Sebastian Schmidt

Zentrale Maikundgebung des DGB

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