Irland sagt Ja zur Homo-Ehe

Lüdenscheider Maik Born erlebte die Volksabstimmung in Irland

Lüdenscheid/Cork - „Es war der Tag, an dem eine ganze Nation zu einem emotionalen Wrack geworden ist.“ Ob Maik Born vielleicht etwas übertreibt? „Nein“, sagt der Lüdenscheider lachend. Der vergangene Samstag werde in der irischen Geschichte für immer tief verankert sein: Irland stimmte für die Homo-Ehe.

Denn Irland stimmte über die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe ab. Und sagte „Yes“. Die Volksabstimmung im katholisch geprägten Land war das weltweit erste Referendum zu dieser Frage.

Mit Spannung erwartet und mit vielen Hoffnungen verbunden war es der Tag der Tage. Auch für Maik Born. „Ich war dabei. Ich war ein Teil einer Revolution“, freut sich der 26-Jährige, der im Februar 2012 nach Irland ausgewandert ist.

Geboren und aufgewachsen in der Bergstadt, kehrte er Lüdenscheid den Rücken und zog für einen Job bei Apple auf die Insel.

„Nach der Auszählung der Stimmen kamen mir die Tränen. Ich wusste, wenn ich morgen aufwache, lebe ich in einem neuen Irland, das mir nicht nur das gleiche Recht zuteil werden lässt wie allen anderen Menschen auch, es ist auch ein Land, das mir gezeigt hat: Wir akzeptieren euch, so wie ihr seid. You guys are okay.“

Warum Maik Born die Volksabstimmung zur Homo-Ehe so wichtig fand, erzählt er im Interview.

Wie wichtig war die Volksabstimmung für Sie?

Maik Born: Es war mir sehr wichtig. Es ging um die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Ich bin selber seit August 2013 geoutet.

Warum outeten Sie sich in Irland und nicht in Deutschland?

Born: Naja, es war einfacher von Irland aus (lacht). Wenn man nicht alle Leute um die Ecke hat. Obwohl ich nie daran gezweifelt habe, dass die Leute positiv reagieren würden, war es schon leichter. Ich persönlich habe erst hier den Mut gefasst, es auch zu sagen. Ich hatte mich hier verliebt – und das war auch der Grund, warum ich mich letztendlich geoutet habe. Irland hat mich sehr verändert. Ich bin ruhiger geworden, erwachsen und glücklicher. Seit 2010 gibt es in Irland die Möglichkeit der eingetragenen Lebensgemeinschaft.

Warum war die Volksabstimmung dann noch so wichtig? Ist die Homo-Ehe eigentlich nicht nur ein Symbol?

Born: Es ist nicht nur ein Symbol. Es geht um Erbschaftsrecht, Besitzeigentümer, Gleichberechtigung. Man ist nicht als Familie angesehen in einer zivilen Partnerschaft, sondern nur als Partner. Wenn man sich zum Beispiel trennt, dann ist es nur ein Auflösungsakt. Eine Ehe ist eine Erweiterung der Rechte. Die Ehe ist niedergeschrieben in der irischen Verfassung. Und die Verfassung kann ohne das irische Volk nicht geändert werden. Deswegen fand der Volksentscheid statt.

Das hat es bisher noch nirgendwo anders gegeben.

Born: Nein, Irland ist das erste Land der Welt, das die gleichgeschlechtliche Ehe per Volksentscheid abstimmte.

Wie hatten Sie Chancen eingeschätzt?

Born: Die Chancen standen gut. Es gab eine große Kampagne. Aber auch die Nein-Seite führte ihre Argumente an. Wir hatten auch Debatten im Fernsehen, um die Bevölkerung zu informieren. Es gab viele Menschen, die bis zuletzt noch unentschlossen waren. Leute gingen deshalb auch auf die Straße und von Haus zu Haus.

Waren Sie da auch beteiligt?

Born: Auf der Straße war ich nicht. Ich persönlich habe die Kampagne mit Spendengeldern unterstützt und ich habe das Wort auf Facebook und Twitter geteilt. Ich versuchte auch lokal hier auf dem Arbeitsplatz mit den Kollegen zu sprechen.

Sie persönlich durften als Deutscher aber nicht Ihre Stimme abgeben?

Born: Nein, nur irische Staatsbürger durften wählen, die auch aktuell in Irland leben müssen. Ja, es war nicht so eine schöne Sache, dass ich nicht mitstimmen durfte, weil es mich auch persönlich betrifft. Ich bin eingetragen als Wähler, aber ich darf nur lokale Angelegenheiten oder die Abstimmung zum EU-Parlament mitwählen.

Irland ist erzkatholisch. Ich bin doch überrascht. Ist Irland toleranter als ich vermute?

Born: Ja. Meine persönliche Einschätzung der Lage ist, dass ich mich auch als Schwuler sehr wohl fühle. Nun habe ich das Glück, dass ich in einer großen Stadt wohne. Cork ist die zweitgrößte Stadt in Irland mit 160.000 Einwohnern. Es ist hier schon akzeptiert. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich diskriminiert werde. Die positive Volksabstimmung wird nicht nur eine neue Gesetzeslage herbeiführen, sondern auch ein großes Signal in die Welt ausströmen, dass Irland ein vereinigtes Land ist, ein Land, das jeden gleichberechtigt behandelt. Ich würde schon sagen, dass es ein streng katholisches Land ist. Man hat kleine Ortschaften, abgelegene Ortschaften. Da sind wahrscheinlich viele Leute, die mit Nein abgestimmt haben, einfach aus dem Glauben heraus. Ich persönlich finde Irland sehr tolerant und es hat sich sehr verändert. Man muss nur daran denken, dass das Schwulsein erst 1993 entkriminalisiert wurde. Vorher wurden Leute sogar inhaftiert. Wenn man die Jahreszahl betrachtet, dann hat sich das Land extrem gut gemacht.

Hat es denn Auswirkung für Sie persönlich? Würden Sie denn heiraten wollen?

Born: Ich müsste erst einmal einen Freund haben (lacht). Eventuell möchte ich irgendwann das Recht haben, das zu machen. Man muss aber auch sehen, dass es nicht nur um einen selber geht, sondern auch um die Generationen, die danach kommen. Wir sind im Jahr 2015 – wir sollten mittlerweile so weit sein, dass es weltweit akzeptiert wird. Viele Länder haben die Homo-Ehe beschlossen. Aber nicht per Volksentscheid.

Ich wüsste nicht, wie die Menschen in Deutschland entscheiden würden, wenn sie denn sollten.

Born: Das ist das, was ich meine: Irland konnte der Welt jetzt zeigen, wie tolerant es ist. Und hat es getan. Der Verfassungszusatz, der zur Abstimmung vorlag, stellt die gleichgeschlechtliche Ehe auf dieselbe Stufe wie den herkömmlichen Bund zwischen einer Frau und einem Mann. Die irische Verfassung von 1937 pries den Wert von Ehe und Familie ausdrücklich. Nun ist der Makel der Andersartigkeit verschwunden

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